Draft Board

Die Draft Season ist für manch einen Fan mindestens genau so spannend wie die Saison selber. Wer wird wann gewählt? Kommt der nächste Superstar oder ist es doch ein Bust? Das sind nur einige der Fragen, die die Football Welt im Vorfeld des Drafts beschäftigt.

Doch da stellt sich eine weitere Frage: Wie kommen die Teams eigentlich zu ihrer Entscheidung, wen sie mit ihrem Pick wählen? Das wollen wir nun versuchen euch etwas näher zu bringen.

Zwei Boards bestimmen den Draft

Die beiden wichtigsten Instrumente der Teams am Drafttag sind das Big Board und das Draft Board. Wobei beides nicht unbedingt feste Begriffe sind, die jedes Team so benutzt. Nur das Wort "Board" kommt immer irgendwie vor, weil es sich tatsächlich um eine große Tafel im sogenannten "War Room" handelt, also dem Raum in dem die Verantwortlichen während des Drafts sitzen und ihre finalen Entscheidungen treffen. Wir wollen für diese Betrachtung der Einfachheit halber bei den Begriffen Big Board und Draft Board bleiben.

Big Board: die Stärke entscheidet

Das Big Board, oder auch der vertikale Ansatz, listet ganz einfach die Spieler in der Reihenfolge ihrer gescouteten Stärke auf. Wie lang diese Liste ist, hängt vom Team ab. Normal sind etwa um die 150 Spieler. Es gibt aber auch Teams, die weniger Spieler auf der Liste haben. Die Patriots begnügen sich beispielsweise mit 75 Spielern auf ihrem Big Board. Also von den über 400 Prospects, die zum Draft zugelassen werden, interessieren sich die Pats nur für ca. 75. Ein erfolgreicher Ansatz, wie ihre Historie zeigt. Andere Teams sind da deutlich eifriger und scouten mehr Spieler. Es gibt also wie so häufig mehrere Wege, die ans Ziel führen können. Und damit auch zu einer erfolgreichen Franchise.

Wenn sich das Team beim Draften sklavisch an sein Big Board hält, ist das ein "Best Player Available"-Ansatz. Es wird also der Spieler gepickt, den man als stärksten noch zur Wahl stehenden sieht. Ganz egal, ob man auf der Position eine Lücke (Need) hat oder nicht. Dieser Ansatz ist, auch wenn er von allen Teams offiziell immer wieder gepredigt wird, nicht sehr verbreitet. Es ist schlichtweg Unsinn den dritten Super-Receiver zu draften, nur weil man den ein paar Plätze höher auf seinem Big Board hat als den Safety, den man dringend braucht.

Draft Board: der Need entscheidet

Kommen wir nun zum Draft Board oder dem horizontalen Ansatz. Horizontal deswegen, weil hier für jede Runde eine horizontale Linie gezogen wird. Über dieser stehen alle Positionen und unter der Linie die Spieler, die in dieser Runde für diese Postion in Frage kommen. Hier stellt sich dann zusätzlich zur geschätzten Fähigkeit des Spielers die Frage, ob diese Position vom Team gerade gebraucht wird. Hier geht es also eher um das, was das Team gerade braucht als darum, den allgemein besten Spieler zu wählen. Diesen Ansatz findet man recht häufig in der NFL. Was man hierbei nicht vergessen darf ist, dass es auch sein kann, dass unter einer Position in einer Runde kein Name steht. Der Verständlichkeit halber, ein kleines Beispiel dazu:

Nehmen wir mal an ein Team hat die größte Lücke auf Guard. Trotzdem ist es sehr unwahrscheinlich, dass ein Guard von diesem Team als potentieller erstrunden Pick gesehen und gezogen wird. Guards kann man einfach auch in späteren Runden noch gut bekommen. Es sei denn, es ist ein wirklich spezielles Talent oder dieser Spieler könnte in Zukunft auch als Tackle eingesetzt werden. Es geht bei diesem Ansatz also nicht nur darum eine Notwendigkeit zu erfüllen, sondern "Value" für den Pick zu erhalten und das Team mit dem Spieler zu versorgen, der es in Zukunft weiter bringt.

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Der Wert eines Picks: die wichtigste Ressource

Während des Drafts werdet ihr den Begriff "Value", also Wert, sehr häufig hören. Und genau darum geht es auch bei jeder Entscheidung des Drafts. Bekomme ich für meine Ressource (Draftpick) den richtigen Gegenwert!? Dabei sollte man die Wichtigkeit des Draftpicks nicht unterschätzen. Er ist eine der bedeutendsten Ressourcen eines Teams überhaupt. Fast alle erfolgreichen Teams der letzten Jahre haben ihre Stars gedraftet, wobei Ausnahmen natürlich auch hier die Regel bestätigen.

Scouting als Basis des Erfolgs

Um das sicher zu stellen, stecken die Teams sehr viel Arbeit in die Evaluierung jedes Spielers. Area Scouts untersuchen jeden College Spieler einer Gegend indem sie seine Spiele besuchen, mit jedem in seiner Umgebung reden, um sich ein Bild über seinen Charakter zu machen und sich stundenlang Tapes der Spiele ansehen. Dies wird über das Jahr mit jedem infrage kommenden Spieler gemacht und die Ergebnisse vom Chef Scout zusammengetragen und ausgewertet. Ihr könnt euch vorstellen wie aufwendig dieser Prozess ist. Am Ende, also nach der Combine und den Pro Days der Colleges, sollte dann eine Wertung für das Potential dieses Spielers stehen. Die übliche Wertung ist im Bereich 5.0 bis 8.0 angesiedelt.

Die Zahlen bedeuten:

5.0: Gerade so draftbar. Wird sich wohl in der Reserve wiederfinden.
5.5: Ein Spezialist auf einem Gebiet, in dem man ihn einsetzen kann. Ein Rollenspieler oder Special Teams Spieler.
6.0: Ein ordentlicher Ersatzspieler.
6.5: Ein solider Starter mit dem man Spiele gewinnen kann.
7.0: Ein potentieller Pro Bowler.
8.0: Ein besonderer Spieler. Er wird seine Position dominieren.
9.0: Ein "Once in a Lifetime"-Spieler. So einer kommt dieses Jahrhundert wohl nicht mehr.

Wie ihr euch vorstellen könnt ist eine Wertung von 9.0 oder auch eine höhere als 8.0 sehr selten.

Auch die Position hat einen Wert

Wichtig neben der Zahl ist, wie weiter oben schon angesprochen, die Position auf die der Spieler spielen wird. Jede Position hat ihren eigenen Wert, was den Draft angeht. So gibt es Positionen bei denen man meist nur in den ersten zwei Runden richtig gute Spieler bekommt (z.B. QB, WR, Pass Rusher) und andere, bei denen man warten kann, weil auch in späteren Runden noch Spieler mit Potential zu haben sein werden (z.B. OG, RB, K). Das hängt aber auch immer von dem jeweiligen Draft Jahrgang ab. Während dieses Jahr die Cornerback Position als herausragend und sehr tief besetzt gilt, war es im letzten Jahr der Pass Rush von dem es hieß, es wäre sehr viel Talent auch noch in späteren Runden vorhanden.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Die Zahl (Bewertung) bestimmt an welcher Stelle ein Spieler auf dem Big Board der Teams landet. Und die Zahl zusammen mit dem Need des Teams und dem Wert der Position ergibt das Draft Board, anhand dessen die neuen Spieler eures Lieblingsteams gewählt werden und dann mit einer nigelnagelneuen Cap auf dem Kopf die Hand vom Commissioner Roger Goodell schütteln dürfen.