A Tribute to... Charles Woodson!

Ein Meister seiner Sportart hat seine herausragende Karriere beendet. Raiders Defensive Back Charles Woodson kehrt der NFL nach 18 Jahren den Rücken.

Wir wollen uns nicht entgehen lassen, eine kleine Lobeshymne an den Defensivspezialisten zu schreiben, der mit seinen Leistungen und Erfolgen wohl bald anderen großen Figuren dieses Sports in der Hall of Fame in Canton, Ohio Gesellschaft leisten wird.

Oakland setzt auf den Heisman Trophy Gewinner

Woodson kam vor der Jahrtausendwende in der Saison 1998/1999 in die NFL. Im Draft des Jahres 1998 wurde er bereits an vierter Stelle in der ersten Runde von den Oakland Raiders ausgewählt. Und womit? Mit Recht! Denn im College zählte Woodson zu den besten Spielern des Jahrgangs. An der Michigan University gewann er neben dem National Championship Game auch als letzter Spieler, der weder Quarterback, noch Runningback ist, die Heisman Trophy.

Im College bewies sich Woodson auf beiden Seiten des Balles als so genannter „Two Way Player“. Seinen Weg in der NFL bestritt der heute 39-Jährige aber in erster Linie in der Secondary. Bereits in seinem ersten Jahr schaffte er es in den Pro Bowl und wurde zudem zum DROY gewählt, woran seine fünf Interceptions maßgeblichen Anteil hatten. Dazu folgte in den kommenden drei Jahren jeweils eine Ehrung zum All Pro.

Eine schwere Stunde erlebte Woodson im AFC Championship Game 2002 im Schnee von Foxborough. Nach einem herbeigeführten Fumble gegen seinen ehemaligen Wolverine-QB Tom Brady wähnten sich die Raiders im Super Bowl. Aber hier kam, wie fast jeder Footballfan weiß, die bis heute kontroverse Entscheidung der „Tuck Rule“ zum Einsatz. Der vorwärtsgehende Arm von Brady war Anzeichen genug für die Schiedsrichter einen Incomplete Pass zu werten und somit den Fumble ungültig zu machen. Auch heute noch wird über diese Entscheidung diskutiert, die die Patriots schließlich in den Super Bowl und zum Titelgewinn brachte.

http://www.nfl.com/videos/new-england-patriots/0ap2000000146416/The-Tuck-Rule

Die Raiders, angetrieben von der nach ihrer Ansicht falschen Entscheidung, kämpften sich in der darauffolgenden Saison schlussendlich bis in den Super Bowl. Dort verpassten Woodson 'n Company aber den großen Wurf. Es setzte eine deutliche Niederlage gegen die Tampa Bay Buccaneers.

In Green Bay zum Titel

In den Folgejahren litt Woodson an hartnäckigen Verletzungen, die ihn hemmten an die Leistungsgrenze zu gehen. Er verließ Kalifornien im Jahr 2005 und wechselte in der Free Agency zu den Green Bay Packers. Der Wechsel sollte ihm gut tun, denn im ersten Jahr bei den Cheeseheads führte er die NFC mit acht Interceptions an. Zudem trat er als Punt Returner in einer für ihn bisher ungewöhnlichen Rolle in Erscheinung.

Statistisch gesehen war die Spielzeit 2009 seine Beste. Neun Interceptions bescherten ihm seinen persönlichen Rekord und die Trophäe als besten Defensivspieler am Ende der Saison. Aber was ein Spieler der NFL am meisten begehrt, ist natürlich ein funkelnder Ring am Finger. Der Super Bowl-Titel sollte in der Saison 2010 endlich erreicht werden. Wenn auch unter eher traurigen Umständen. Woodson startete für die Packers gegen die Pittsburgh Steelers in der 45. Auflage in der Secondary, damals noch als Cornerback. Mit weniger als zwei Minuten vor der Pause brach er sich das Schlüsselbein. Emotional aufgewühlt hielt er eine knallende Ansprache in der Halbzeit und bejubelte von der Seitenlinie den Titelgewinn, den die Packers nach einem 31:25 sicherten. Der wohl sportlich größte Moment in der Karriere vom Freund des gepflegten Kinnbärtchens.
Nach dem Titelgewinn spielte Woodson auf der Safety-Position für die Packers. Ein weiterer Bruch des Schlüssselbeins und eine Pleite im NFC Championship Game gegen Colin Kaepernick's 49ers später. wurde er von den Packers entlassen.

Back to the Roots

Getreu dem Motto „Home is, where the heart is“ ging es für den neunmaligen Pro Bowler zurück an alte Wirkungsstätte. Zwar ohne Playoffteilnahme, aber mit konstant guten Leistungen machte er in den letzten drei Jahren seiner Karriere auf sich aufmerksam. Seine letzte Spielzeit sollte da noch einmal krönend sein. Er sprang vom Free Safety auf die Position des Strong Safety um und fing noch einmal fünf Bälle ab. Sein großer Wunsch, einmal einen Pass von Peyton Manning abzufangen, mit dem er 1998 gedraftet wurde, sollte ihm in der fünften Woche nach unzähligen vergebenen Versuchen in den Vorjahren endlich in Erfüllung gehen. Und da gleich zweimal!

Angeführt vom jungen Quarterback Derek Carr hofften viele Raiders-Anhänger auf eine Playoffteilnahme, die dem Team aber verwehrt blieb. Folglich erklärte Woodson am 21.12.2015 seinen Rücktritt vom Sport. Das letzte Spiel seiner Karriere, das Auswärtsspiel gegen die Kansas City Chiefs, schloss den Kreis, der 18 Jahre zuvor genau dort, in Kansas City, begonnen hatte. Ein Bilderbuchabschluss einer großartigen Karriere. Besonders in Erinnerung blieb seine innige Umarmung mit CB Marcus Peters von den Chiefs. Ein Altmeister räumt das Feld für eine neue Generation, die sich an Vorbildern wie Charles Woodson orientiert.

http://www.nfl.com/videos/kansas-city-chiefs/0ap3000000615678/Charles-Woodson-walks-off-field-for-final-time

Nicht nur auf dem Platz, auch daneben repräsentierte Woodson den Football so gut wie möglich und wird seine bronzene Büste wohl in naher Zukunft in der Hall of Fame enthüllen dürfen.

  • Heisman Trophy & National Championship (College)
  • 9x Pro Bowl
  • Super Bowl XLV-Champion
  • 4x First Team & 4x Second Team All Pro
  • NFC & AFC Champion (2002/2010)
  • NFL Defensive Rookie of the Year (1998)
  • NFL Defensive Player of the Year (2009)
  • einziger Spieler mit mind. 20 Sacks und 50 Interceptions
  • geteilter 6. mit 65 Karriere-Interceptions
  • geteilter 1. mit 13 Defensiv-Touchdowns

Mit der Liste seiner größten Erfolge, schließen wir unser Loblied. Wir ziehen den Hut vor einem tollen Menschen und einer eindrucksvollen Karriere!

Adieu, Charles Woodson!