A Tribute to... Peyton Manning!

"With the First Pick in the Draft, the Indianapolis Colts select: Quarterback, University of Tennessee, PEYTON MANNING"

Diese Worte, gesprochen vom damaligen NFL Commissioner Paul Tagliabue, waren der Beginn einer der großartigsten Karrieren, die die NFL je gesehen hat. Vor dem Draft galt es aber keineswegs als sicher, dass Manning überhaupt in Indianapolis landen würde. Die Colts hatten sich bis wenige Tage vorher noch nicht entschieden, ob Manning oder QB Ryan Leaf ihre Wahl werden würde. Manning, der gerne die Kontrolle über die Situation hat, traf sich wenige Tage vor dem Draft mit dem damaligen General Manager der Colts, Bill Polian, um auf den neuesten Stand gebracht zu werden. Polian aber konnte ihm keine Neuigkeiten geben. Manning, ungewillt die Sache einfach auf sich beruhen zu lassen, gab Polian eine kleine Gedankenstütze mit auf den Weg: "Wenn ihr mich nehmt, garantiere ich euch eine Meisterschaft. Wenn ihr mich nicht nehmt, garantiere ich euch, dass ich euch in den Arsch treten werde."

Rekorde über Rekorde in Indianapolis

Der Rest der Geschichte ist bekannt, Manning wurde von den Colts gewählt und begann die Rekorde zu jagen. Bereits in seiner Rookie Spielzeit stellte er Rekorde für die meisten Touchdowns (26) und Yards (3.739) eines Rookies in einer Saison auf. Es waren nicht die einzigen Rekorde, die fallen sollten. Zwar warf Manning auch 28 Interceptions und die Colts schlossen die Saison mit einer 3-13 Bilanz ab, aber das interessierte schon bald keinen mehr.

2003 holte sich Manning seinen ersten MVP-Award, vier weitere in den Jahren 2004, 2008, 2009 und 2013 sollten folgen - natürlich Rekord! Dennoch konnte Manning einen Makel in den ersten Jahren nie ganz abschütteln. Immer, wenn es um die großen Spiele ging, schien er zu versagen. Bereits im College war ihm der ganz große Triumph verwert geblieben und auch in der NFL war immer ein paar Schritte vor dem Konfettiregen Schluss. Verantwortlich dafür zeichneten sich vor allem die New England Patriots und QB Tom Brady. Schnell wurden die Duelle Manning-Brady zu Klassikern und die Rivalität zum bestimmenden Thema der 2000er. Während Manning immer in der regulären Saison Vollgas gab und dann in den Playoffs ins Stocken geriet, schienen Brady und die Patriots sich ihre besten Spiele für die KO-Runde aufzuheben. Erst im sechsten Aufeinandertreffen konnte Manning seine Nemesis besiegen und erst im neunten Spiel der beiden gelang ein Playoffsieg gegen Brady und Coach Belichick. Naach dem ersten Sieg schien Manning aber die Formel gefunden zu haben, es folgten drei Siege in Folge für die Colts gegen New England.

Der dritte von diesen sollte einer für die Ewigkeit werden. Im zweiten Viertel des AFC Championship Game im Jahr 2007 lagen die Colts bereits schier aussichtslos mit 18 Punkten hinten. Aber einen Peyton Manning sollte man nie abschreiben. Mit einer seiner besten Leistungen führte er die Colts zu einem 38:34 Sieg über New England und auch ein Stück weit über seine persönlichen Ängste hinweg. Den Super Bowl gegen Chicago gewannen die Colts anschließend souverän. PM18 war endlich ganz oben angelangt. Da, wo er hingehört. Da, wo er immer sein wollte. Manning hatte die Dominanz der Patriots gebrochen und die Colts zum neuen König der NFL gekrönt.

In den nächsten Spielzeiten baute Indianapolis diese Dominanz weiter aus und auch die Duelle Manning-Brady waren von da an ausgeglichener. Der Ruf, in den großen Spielen zu versagen, begleitete Manning jedoch weiterhin. Vor allem Dank der Niederlage im Super Bowl XLIV im Jahr 2010 gegen QB Drew Brees und die Saints. Während die Nation mit der von Hurricane Katrina schwer gebeutelten Stadt New Orleans feierte, ließ Manning den Kopf hängen, worauf weitere Rückschläge folgen sollten.

Im September 2011 endete seine Serie von 227 Spielen ohne Verletzung. Diese hätte beinahe seine Karriere beendet. Ein Nervenleiden im Nacken zwang Peyton dazu die gesamte Saison 2011 auszusetzen. Die Quittung für die Colts folgte prompt: Schlechtestes Team der Liga, was gleichbedeutend mit dem Recht ist, im Draft als erstes auswählen zu dürfen. Das zwang die Colts quasi dazu, Manning am Ende der Saison zu entlassen. Es war nicht sicher, ob er je zu alter Stärke zurückfinden würde, geschweige denn überhaupt wieder spielen konnte. Dazu hatte Indianapolis mit dem hochveranlagten Andrew Luck bereits einen Nachfolger parat, den sie mit dem ersten Pick zogen.

Es folgte ein Moment, der viele Herzen brach: Manning und Colts Besitzer Jim Irsay verkündeten mit Tränen erstickten Stimmen gemeinsam das Aus bei einer Pressekonferenz. Mit den emotionalen Worten "Thank you very much from the bottom of my heart, I truly have enjoyed, being your Quarterback" war Mannings Zeit in seiner Stadt vorbei.

Meilensteine in "Mile High"

Gleichzeitig machte sich auch Spannung in der Liga breit. Welches Team würde Manning wählen? Denn dass er seine Karriere fortsetzen würde, galt als sicher und Interessenten gab es genug. Es wurden letztendlich für viele etwas überraschend die Denver Broncos, deren General Manager John Elway einst selbst in der Situation steckte als alternder Quarterback noch einen Titel gewinnen zu wollen.

Wer anfangs noch Zweifel hegte ob Manning nochmal zu großen Leistungen imstande sei, der wurde schnell eines besseren belehrt. 2012 war ein sehr gutes Jahr, welches Manning mit dem Comeback Player of the Year Award abschloss. Die Broncos verloren aber überraschend gegen den späteren Super Bowl Sieger, die Baltimore Ravens, in den Playoffs. Der große Knall sollte allerdings noch folgen.

2013 war ein Jahr der Rekorde und man hätte es bereits beim ersten Spiel kommen sehen können. Den kürzlich zum Super Bowl Champion gekürten Baltimore Ravens schenkte Manning sieben Touchdowns ein, NFL Rekord eingestellt! Und wem das noch nicht genug war, dem lieferten Manning und die Broncos über die Saison Rekorde für die meisten Touchdowns (55) und Pass Yards (5.477) in einer Spielzeit. Relativ logisch, dass PM18 nach der Saison seinen fünften MVP einstecken durfte.

So dominant die Saison der Broncos auch gewesen war, sie endete mit einer Bruchlandung der übelsten Sorte. Im Super Bowl XLVIII in New York wurden sie von der Monster Defense der Seattle Seahawks überrollt und plattgewalzt. 43:8 lautete das Endergebnis und es hätte auch zu null ausgehen können. Während die Seahawks feierten, kamen die alten Stimmen wieder. Manning könne große Spiele nicht gewinnen, vor allem nicht in kalten Gefilden. Manning würde nie mehr einen Super Bowl gewinnen.

Die Stimmen wurden ein bisschen leiser, als Manning in der folgenden Saison den bis dahin von Brett Favre gehaltenen Rekord für die meisten Karriere Touchdowns (508) brach. Verstummen taten sie aber nie. Viele dachten bereits, dass seine Karriere nach der Saison 2014 zu Ende sei, ausgerechnet gegen die Colts war man in den Playoffs ausgeschieden und die Nackenverletzung führte dazu, dass er kaum noch Gefühl in den Fingerkuppen seiner Wurfhand hatte.

Aber: Einen Manning sollte man nie abschreiben. 2015 folgte am zehnten Spieltag gegen Kansas City der Rekord für die meisten Passing Yards, bis dahin ebenfalls von Favre gehalten (71.838). Und das ausgerechnet im wohl schlechtesten Spiel seiner Karrieren, in dem er nach vier Interceptions früh ausgewechselt wurde. Das Spiel gegen die Chiefs hätte gleichzeitig sogar das Ende für Mannings Karriere bedeuten können. Eine Fußverletzung setzte ihn bis zum 17. Spieltag außer Gefecht. Viele Abschiedsartikel und Nachrufe waren zu diesem Zeitpunkt garantiert bereits verfasst, denn das Alter war Manning nun deutlich anzumerken. Aber ein letztes Aufbäumen sollte folgen; und was für eines! Peyton kam zurück, verließ sich vor allem auf seine starke Defense und kam mit diesem, für ihn ungewohnten, Rezept zum Erfolg. Ausgerechnet gegen Brady und Belichick gewannen die Broncos das AFC Championship Game und Manning sollte seine vierte Chance auf den zweiten Ring erhalten.

Auch gegen die Carolina Panthers im Jubiläums Super Bowl 50 sollte eine Monster Defense die Hauptrolle spielen, aber dieses Mal nicht gegen Manning, sondern für ihn. Nach einem dominanten 24:10 war der Sheriff wieder dort, wo er immer sein wollte und wo er hingehört. Ganz oben!

Nun also, nach langem Hin und Her, das Ende. Es war zu erwarten und es ist gut so. Nicht, weil wir alle keine Lust mehr auf Peyton haben, sondern weil man aufhören sollte, wenn es am schönsten ist. Manning war eine Karriere vergönnt, wie sie nur einer Handvoll Menschen vergönnt war: vom ersten Pick im Draft, Rekorden en masse und zwei Super Bowls können andere nur träumen.

Und nicht nur auf dem Platz war Peyton Manning einer der besten aller Zeiten, auch daneben hatte er seine Glanzmomente. Wir erinnern uns alle gerne an die Auftritte bei Saturday Night Live oder die Werbeclips mit Bruder Eli. Müsst ihr sehen:

Ein absolutes Vorbild verlässt die NFL und steigt in den Olymp des Football auf. Die Diskussion, ob Brett Favre in die Hall of Fame soll hat circa neun Sekunden gedauert. Wir glauben, Peyton schafft es in drei.

Und wer glaubt, Peyton würde sich zurückziehen und dem Football den Rücken kehren, dem sei gesagt: Einen Manning sollte man nie abschreiben!

Unter Tränen beendete Peyton Manning am 06.03.2016 in einer tollen, äußerst emotionalen Rede seine beispiellose Karriere mit den Worten:

"I fought a good fight, I finished my football race. And after 18 years it's time. God bless all of you. God bless football!"

Danke, Peyton! Es war eine Ehre, deine Karriere erlebt haben zu dürfen.