Clark Trade: Was machen, Chiefs?

23.04.2019, 08:04 Uhr T.H. Kolumne

Gestern Morgen noch drüber philosophiert, einige Stunden später bereits Vollzug gemeldet. Die Seattle Seahawks traden ihren mit dem Franchise Tag belegten Defensive End Frank Clark in einem zunächst einseitig schockierenden Trade im Vorfeld des Drafts zu den Kansas City Chiefs. Aber dazu später mehr...

Zunächst einmal soweit so gut, bzw. wenig überraschend. Hawks GM John Schneider machte bereits vor kurzem klar, dass es für seine Franchise in Zukunft nach der Rekordvertragsverlängerung von Top-QB Russell Wilson nur extrem schwer möglich sein werde, die Verträge von Clark, LB Bobby Wagner und DT Jarran Reed allesamt langfristig zu verlängern. Da Erstgenannter bereits mit dem Franchise Tag belegt wurde, der ihm knapp $18 Mio. pro Jahr beschert hätte, unter dem er aber definitiv nicht spielen wollte, sah man sich gezwungenermaßen nach möglichen Tradepartnern um. Zumal man im anstehenden Draft auch nur vier Picks für neue Jungtalente zur Verfügung hatte.

Die Suche nach einem Abnehmer hatte Erfolg... und wie. Denn Seattle bekommt nicht nur den erhofften Erstrundenpick aus Missouri (#29), sondern auch noch einen 2nd Rounder im Draft nächstes Jahr. Dazu tauschen beide Teams ihre Auswahlrechte in der dritten Runde 2019, was die Seahawks zwar acht Plätze weiter hinten ziehen lässt, das aber in diesen Regionen mehr als verkraftbar ist.
Angeblich hatten die New York Jets sogar ihren Third Pick geboten, womit man natürlich einen sichereren und besseren Pick hätte ziehen können. Allerdings hätte Seattle im Gegenzug ihren eigenen Pick #21 in den Big Apple schicken müssen, sodass man quantitativ in Runde 1 nichts gewonnen hätte. Anstatt einen, hat das Front Office nun zwei Picks Donnerstagnacht in der ersten Runde zur Verfügung und ist damit in der Lage in einer starken Passrusher-Klasse einen jungen und deutlich günstigeren Ersatz für Clark zu ziehen. In der Theorie zumindest... Dazu spart man nun das bereits angesprochene Gehalt des 25-jährigen, sodass eine Vertragsverlängerung eines Bobby Wagners nur Formsache sein sollte.

Klar reißt der Verlust eines immer besser werdenden Edgerusher Frank Clark eine qualitative Lücke, die ein Rookie oder ein anderer Spieler erstmal schließen muss. In der aktuellen Situation und bei dem vorgelegten Angebot hatte man aber keine andere Wahl.

Allerdings gibt es natürlich immer zwei Seiten einer Medaille... und die Gegenseite gehört zu den Chiefs. Dass diese einen Passrusher gut gebrauchen konnten, war kein Geheimnis, nachdem man sowohl Justin Houston nicht verlängerte als auch Dee Ford nach Franchise Tag ebenfalls wegtradete. Und genau dieser Ford-Trade macht den jetzigen Trade für Frank Clark relativ unverständlich. Denn von den 49ers bekam KC für Ford lediglich einen Zweitrundenpick im Draft 2020, sodass man für einen ähnlichen Spielertyp einen First Rounder hergeschenkt hat, den die Chiefs nun auch noch teuerer bezahlen. Während der drei Jahre ältere Ford in San Francisco nach dem Trade für fünf Jahre und $87,5 Mio. unterschrieb, entlohnen die Chiefs Clark mit stolzen $105,5 Mio. von denen $63,5 Mio. im gleichen Zeitraum garantiert sind. Also $3,6 Mio. pro Jahr mehr für einen Spieler, der rein statistisch in den letzten Jahren nicht besser unterwegs war, wie ihr ehemaliges Eigengewächs.

Frank Clark

Year Games Games Started Comb. Tackle Assist. Sack P.Def Forced Fumble
2018 16 16 41 33 8 13 2 3
2017 16 12 32 19 13 9 2 2
2016 15 5 47 25 22 10 0 2
2015 15 0 16 15 1 3 2 1
Total 62 33 136 92 44 35 6 8

Dee Ford

Year Games Games Started Comb. Tackle Assist. Sack P.Def Forced Fumble
2018 16 16 55 42 13 13 0 7
2017 6 6 13 11 2 2 1 1
2016 15 14 38 25 13 10 2 1
2015 14 5 23 21 2 4 2 0
2014 16 0 8 4 4 1.5 1 0
Total 67 41 137 103 34 30.5 6 9

Nun muss man bei allem offensichtlichen Gemecker das Ganze aber doch noch etwas relativieren, denn wir gehen mal stark davon aus, dass das Chiefs Front Office diesen Deal nicht in einer unüberlegten Stunde nach einer ordentlichen Bierlaune eingegangen ist. Es gibt nämlich durchaus auch plausible Gründe für diesen Trade.

Der erste ist das Alter. 25 gegenüber 28 Jahren ist in einem physischen Sport auf einer sehr physischen Position sicher nicht zu verachten. Dazu ist Clark trotz ähnlicher Produktion in seiner Karriere der wohl konstantere und zumindestmal leicht bessere Spieler. Viel entscheidender waren für GM Brett Veach aber wohl die taktischen Veränderungen in der kommenden Spielzeit. Unter dem neuen DC Steve Spagnuolo werden die Chiefs von einer 3-4 in eine 4-3 Base Defense wechseln. Als eher klassischer OLB wäre diese Veränderung zu Ungunsten von Dee Ford geschehen, der aus SIcht der Chiefs eher der Situational Pass Rusher war. Frank Clark hingegen ist ein End, der die 4-3 Defense aus Seattle gewohnt und als kompletter Spieler entsprechend ein perfekter Fit für Kansas City ist. Er soll mit den weiteren Neuzugängen Alex Okafor und Emmanuel Ogbah, sowie Chris Jones - der voraussichtlich auch bis zu $20 Mio. pro Jahr bekommen wird - eine neue, dominierende Line für das Ziel des Super Bowl Titels stellen.

"I feel like I'm good. I wanted to be somewhere where I'm wanted, where I'm appreciated", gab Clark bei ESPN preis. "I thank God that K.C. came in and showed that. ... In life, you just want to be shown that you are appreciated sometimes, and I feel like this was one of those things."

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Alles in Allem müssen wir die Chiefs hier aber dennoch als klaren Verlierer dieses Trades sehen. Zum Einen aufgrund der Vorgeschichte mit dem Trade von Dee Ford, aber auch weil die Defensive End Position im Vergleich zu anderen Bereichen der Verteidigung nicht das dringendste Need war. Trotz der Addition von S Tyrann Mathieu fehlt es besonders in der Secondary an Talent und Tiefe. In einer passlastigen NFL nicht minder wichtig wie der Edgerush, was die Patriots im AFC Championship Game bspw. mit schnellen Pässen bewiesen und ausnutzten.
Ja, KC hat quantitativ in diesem und nächstem Jahr immer noch ausreichend Picks zur Verfügung, den 29. Pick hätte man Donnerstagnacht aber in einen der Top-Corner im Draft - Greedy Williams, Byron Murphy, DeAndre Baker oder Rock Ya-Sin - investieren können. Mit dem allerersten an #61, dicht gefolgt von #63 wird es ungemein schwerer einen Spieler mit Starter-Kaliber zu finden.