Football made in Germany!

08.12.2016, 09:08 Uhr J.B. Kolumne

Nach dem Hype um WR Moritz Böhringer haben wir uns in den USA einmal nach den nächsten möglichen deutschsprachigen in der NFL umgeschaut. Hierzu haben wir uns fünf junge Athleten angesehen, die ihren Weg über Highschool und Colleges in Richtung der NFL gehen wollen um in die Fußstapfen von Vollmer, Edebali und Co. zu treten. Dabei sind wir neben zwei Einzelkämpfern auch auf eine ganz besondere Geschichte gestoßen.

Wir stellen euch unsere Lichtblicke und potentiellen Stars der Zukunft in drei Abschnitten der Reihe nach vor.

Jakob Johnson - Tight End - 21 Jahre - University of Tennessee

Beginnen wollen wir mit einem jungen Mann aus dem Schwabenländle, der an einer der renommiertesten Hochschulen der USA unterwegs ist. Nach seinem Abitur an der Max-Eyth-Schule in Stuttgart zog es den gebürtigen Schwaben Johnson über den großen Teich. Bis zu seinem Umzug nach Jacksonville zu seiner Tante war er als Jugendspieler für die Stuttgart Scorpions aktiv, ehe er sich in den USA beweisen wollte.

2013 schrieb Jakob, dessen Name auch im deutschen Wortlaut ausgesprochen wird, einer wahnsinnigen Zahl von 442 Verantwortlichen der 128 besten Colleges in den USA per Mail Bewerbungen, in denen er für sein Talent warb. Die Resonanz im Vergleich zum Aufwand scheint mit nur vier Antworten enttäuschend, aber der heute 21-jährige nutzte seine Chance und sollte sich beweisen.

An der Jean Ribault High School erspielte er sich sein College Stipendium und zog sich am 24.11.2013 die Cap der Tennessee Volunteers an. Ohne Frage eine der besten Adressen im College Football, denkt man nur daran welche Größen den orangefarbenen Trikots entstanden... Peyton Manning zum Beispiel - kein ganz Unbekannter. Zudem ist die SEC die beste Conference der Division I im College Football. Das Trainingszentrum, Stadion und die Außenanlagen der Volunteers sind laut dem Stuttgarter von unglaublicher Professionalität und hoher Qualität geprägt. In einem großen Teich mit vielen guten Jungs geht er in der kommenden Spielzeit in sein drittes Jahr und möchte dem Konkurrenzkampf einen Schritt voraus sein.

In seiner Einstiegssaison begann Johnson auf der Position des Linebackers, ehe er nach einer Symstemumstellung der Volunteers in seiner zweiten Spielzeit als Tight End fungieren musste. Diese Umstellung fiel ihm zu Beginn schwer, denn über eine Rolle in den Special Teams kam er nicht hinaus. Dort war er aber unter anderem als Kapitän des Kick-Return-Teams ein wichtiger Faktor zur Forcierung einer guten Startposition für die Offense. Von seinem dritten Jahr erhofft er sich wesentlich mehr Spielzeit und ist auch gewillt, dafür mehr Zeit in Training und Playbook zu investieren.

Sollte der Traum von der NFL allerdings platzen, hat Johnson einen sehr anschaulichen Plan B parat. Neben dem Football studiert er Kinesiologie und glänzt mit Bestnoten. Ein anschließendes Medizinstudium wäre folglich eine Option. Das stößt vor allem bei seinen Coaches auf große Augen, da er sehr fokussiert ist, neben dem Football auch an einem möglichen Leben ohne das runde Ei zu arbeiten.

Sein Spielerprofil in Tennessee: http://www.utsports.com/…/m-f…/mtt/jakob_johnson_881148.html

Eric Nzechoa - Linebacker - 23 Jahre - University of Wyoming

Der zweite in unserer Reihe ist vom Namen her kein Unbekannter. Ob er aber in die Fußstapfen seines Bruders treten kann, bleibt natürlich abzuwarten. Wie sein Bruder Mark Nzeocha, der zurzeit bei den Dallas Cowboys unter Vertrag steht, wagte auch Eric den Sprung in den wohl bevölkerungsärmsten Staat Amerikas. Das soll aber nicht die Qualität am Football schmälern. Als Jugendspieler der Franken Knights und ehemaliger Juniorennationalspieler übersprang Nzechoa sein letztes Jugendjahr in Rothenburg ob der Tauber, um sich 2012 den Cowboys aus Wyoming anzuschließen. Dazu verließ er seine Heimat Neusitz und brach auf ins Abenteuer College Football.

In seiner ersten Saison als Redshirt Freshman, durfte er in der folgenden Spielzeit als Special Teamer einige Minuten auf dem Feld verbringen. Seine dritte Saison sollte seine bisher erfolgreichste sein, denn in zwölf Spielen fing er als Tight End acht Pässe für 65 Yards.
Im diesjährigen Spring Training folgte für ihn allerdings eine Umschulung ähnlich wie im Fall von Jakob Johnson. Um sein Potential noch mehr ausreizen zu können, möchte er künftig auf der Postion des Linebackers aktiv sein. Bisher scheint es sich auszuzahlen, denn mittlerweile wird er auf den ersten Depth Charts als Starter auf der Positon des „Mike“-Linebackers aufgeführt.

Nzechoa will in der Mountain West Conference noch einmal richtig angreifen und versuchen, den selben Weg zu beschreiten wie sein Bruder um die Möglichkeit zu realisieren, sein Können eines Tages bei einer NFL-Franchise unter Beweis zu stellen.

Sein Spielerprofil in Wyoming: http://www.gowyo.com/sports/m-footbl/mtt/eric_nzeocha_810956.html

Equanimeous, Osiris und Amon-Ra St. Brown

Zum Abschluss haben wir noch eine ganz besondere Geschichte für euch. Drei Brüder mit deutschen Wurzeln könnte auf dem besten Weg in Richtung NFL sein. Zwar sind sie noch jung, aber ihr Potential ist mittlerweile nicht mehr nur Insidern des Sports bekannt.

Drei Brüder, drei Täume, dreimal wahnsinniges Potential!

Es ist eine unglaubliche Geschichte, welche besonders gegen Ende des vergangenen Jahres für Aufmerksamkeit in den Medien sorgte. Drei Brüder mit deutschen Wurzeln wollen als Wide Receiver den Sprung in die NFL schaffen. Es handelt sich um Equanimeous (19), Osiris (16) und Amon-Ra (15) St. Brown. Die drei Jungs kommen aus Orange County in Californien und haben eine deutsche Mutter. Laut dem ältesten Bruder fühlen sich die drei auch als Deutsche, sprechen dazu noch neben Deutsch und Englisch auch fließend Französisch.

Das Potential und die körperliche Robustheit trainierte ihnen ihr Vater John Brown bereits in jungen Jahren an. Er selbst wurde Mitte der 80er-Jahre als Bodybuilder weltweit bekannt und konnte sich unter anderem zum Mr. World und Mr. Universum krönen. Auf einer Messe in Köln lernte er die Mutter der drei Jungs kennen. Sie leben nun gemeinsam in einer der schönsten Ecken Kaliforniens.

Während Osiris und Amon-Ra zur Zeit noch auf der Mater Dei High-School aktiv sind, die unter anderem von den ehemaligen University of Southern California-Quarterbacks Matt Leinart und Matt Barkley besucht wurde, hat „EQ“ bereits den Sprung ans College geschafft. Er unterschrieb zu Jahresbeginn 2015 als 4-Star-Wideout bei Notre Dame Football. In seiner zurückliegenden Premierensaison fing er zwar nur einen Pass, glänzte aber bei den Special Teams. Auch seine Teamkollegen unterstellen dem 19-jährigen enormes Potential, einmal einer der besten College-Spieler zu werden. In der neuen Saison will er sein Skillset weiter verfeinern und eine echte Waffe in der Offense unter HC Brian Kelly werden.

Seine beiden jüngeren Brüder ziehen aber auch die Aufmerksamkeit einiger großer Colleges auf sich. Osiris wird 2017 als Rekrut verfügbar sein. Ihm liegen unter anderem namhafte Angebote von den Cal Bears, Notre Dame, Stanford Football, Oregon Football und Maryland vor. 2018 ist es dann für das jüngste Mitglied soweit. Amon-Ra sorgte zuletzt als 15-Jähriger bei der U19-EM im deutschen Nationalteam für Furore und gibt auch auf der High-School ein gutes Bild ab. Für ihn haben bereits einige Colleges ihr Interesse angemeldet. Dazu gehören neben Notre Dame, UCLA Football und Washington auch absoluten Hochkaräter wie die Michigan State Spartans und die Alabama Crimson Tide.

Es scheint also als würden wir in Zukunft erneut über spektakuläre Wide Receiver mit deutschen Wurzeln a lá Moritz Böhringer berichten können. Wir sind gespannt und hoffen darauf die Jungs irgendwann in einer Liga mit OBJ und vielen weiteren deutschsprachigen Spielern zu sehen.

Zum Schluss bleibt uns nichts mehr zu sagen, als dass die nächsten Jungs bereits in den Startlöchern für eine NFL-Karriere stehen. Das lässt uns hoffen, dass das Potential der Sportart auch hier zu Lande weiter ansteigt.

Auf diesem Weg wünschen wir all unseren Spielern ob in Deutschland, Österreich, der Schweiz oder über dem großen Teich eine bestmögliche Karriere im American Football. Denn neben den fünf genannten gibt es eine Vielzahl weiterer herausragender Athleten aus dem deutschsprachigen Raum und Gesamteuropa, die sich in den USA beweisen wollen.

Wir werden ihren Weg sicherlich weiter beobachten.