Mitch Trubisky - Nothing but the Truth?

26.10.2019, 04:28 Uhr J.B. Kolumne

Was haben wir uns im Draft 2017 verwundert die Augen gerieben und im Anschluss an diesen über die Chicago Bears Verantwortlichen abgeledert. „Wie kann man für einen Quarterback, der erst ein Jahr im College hinter sich hatte, so viel zukünftiges Draftkapital wegschmeißen, um nur eine Position höher picken zu dürfen“, war der O-Ton fast aller neutraler Beobachter dieses zweifelhaften Moves, uns inbegriffen. Lediglich die Bears Fans kritisierten die durchgehend negative Berichterstattung und klammerten sich an die Hoffnung, dass eben dieser an Position 2 gedraftete Mitchell Trubisky die Erwartungen vollends erfüllen und zum uneingeschränkten Leader der zuvor so gebeutelten Franchise aufsteigen wird. General Manager Ryan Pace wäre im Nachhinein der Held gewesen.

Doch trotz einer traumwandlerischen Vorsaison mit Divisiontitel und souveränen Playoffeinzug in einer starken NFC North, muss spätestens nach der Hälfte der 2019 NFL Season Resignation aller Hoffenden einkehren:
Mitch Trubisky ist nicht die Antwort in Chicago... und wird es auch nicht mehr werden!

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Man darf Pace sicherlich zu Gute halten, dass Trubisky bei so gut wie allen Draftexperten als bester Quarterback 2017 galt. Im Nachhinein ist man immer schlauer, denn mit den später gedrafteten Patrick Mahomes - aktueller MVP - und Deshaun Watson sollten ganz andere für ordentlich Furore in der Liga sorgen.
Während die weiter reiften, sieht Trubisky hingegen 2019 sogar noch schlechter aus als in den beiden Jahren zuvor, obwohl diese beiden Saisons aus analytischer Sicht schon alles andere als gut waren - eine Pro Bowl Teilnahme ist da nicht wirklich aussagekräftig.

Projekt gescheitert

Für Pace und alle Verantwortlichen ist es Zeit sich einzugestehen, dass das Projekt Trubisky gescheitert ist und der einstige Move tatsächlich das war, was fast alle prognostiziert hatten: ein Fehler! Beweise gefällig?

Seit seinem Eintritt in die Liga im Jahr 2017 zählte Trubisky in jeder seiner drei Saisons zu den zehn schlechtesten Quarterbacks der Liga basierend auf PFF. In dieser Zeitspanne haben 33 Quarterbacks mind. 1.000 Snaps gespielt und unter diesen liegt Trubisky auf 32, also dem vorletzten Platz.
Es war sicherlich zu erwarten, dass der mit nur einem Jahr Collegeerfahrung in die Liga kommende Spielmacher zu Beginn unter dem ehemaligen Chicagoer Cheftrainer John Fox nicht mehr als durchschnittlich sein würde, ja sein konnte. Deshalb wurde der innovative Geist von Matt Nagy, der unter Chiefs HC Andy Reid lernte, verpflichtet, um eine kreativere Offensive zu callen und Trubisky zum Franchise Quarterback in Chicago zu machen. Trubisky jedoch konnte diesen Erwartungen nie gerecht werden.

Offensive Kreativität behindert

Unter Nagy ist der Signal Caller miserabel bei Würfen downfield. Bei solchen von mehr als 10 Yards auf freie Receiver ist er mit Abstand der schlechteste Quarterback der NFL. Die komplexe Offensive, die Nagy nach Chicago gebracht hat, ist schlichtweg zu viel für Trubisky und sie hält aufgrund dessen das Playcalling und die gesamte Offense zurück. Nagy weiß, dass er mit der jetzigen Situation nicht auf die effektiven Play-Action-Pässe setzen kann. Und das, obwohl er unter dem Verfechter der Run-Pass Option, eben Andy Reid, lernte. Doch sein Quarterback ist nicht in der Lage diese Möglichkeiten aktiv zu nutzen. Trubisky setzt hier wenn überhaupt darauf, dass einer seiner Receiver das Play für ihn erledigt.

Dazu kommt die Schwäche in einer der wichtigsten Kategorien zur Bewertung von Quarterbacks: das „Arbeiten“ aus einer sauberen Pocket. Nicht mal mit Zeit und Raum schafft es der 25-jährige aus Ohio offene Receiver für über zehn Yards sicher und konstant zu erreichen und wenn dann mal sein erster Read wegfällt, wird es gefährlich. Denn im Schnitt sind da etwa 10% dieser Situation Turnover gefährdet.

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Wenn man hier noch weiter geht und sich die PFF Grades anderer Kategorien anschaut, kann man nur zu dem Schluss kommen, dass „Truthbisky“ nicht the Truth sein kann für die Bears. Denn bei jeglicher Art von Widrigkeiten in seinem Spiel gerät der 25-jährige massiv ins Wanken. Seit 2018 hat er die schlechteste Note bei Würfen außerhalb der Pocket, die zweitschlechteste unter Druck und die schlechteste gegen den Blitz. Dazu rettet er die Plays dieses Jahr nicht mal mehr mit seinen Beinen, was ihn zumindest in der letzten, erfolgreichen Saison ausgezeichnet hatte.

Hoffnung verloren - next please!

Nein, auch wenn der Mann der North Carolina Tar Heels erst drei volle Saisons auf einem Pro-Niveau hinter sich hat, die Mängel in seinem Spiel sind zu vielfältig und zu gravierend um noch Hoffnung auf Besserung in Zukunft zu haben. Nach zwei Jahren in der NFL müssen junge Spielmacher in der Lage sein ihr Spiel signifikant zu verbessern. Bei Mitch Trubisky ist dagegen keine Verbesserung zu erkennen, im Gegenteil, wenn man sich seine letzten Auftritte zu Gemüte führt.

Das Bears Front Office wird einen Plan B auf der Position benötigen. Sei es per Trade - Foles, Mariota, Bridgewater (?) - oder in der zweiten Runde des Drafts - Jalen Hurts (?). Ansonsten läuft man Gefahr die große Chance auf erfolgreichen Football in dieser sportverrückten Stadt, die gerade die bearenstarke Defense ihnen aktuell bietet, frühzeitig wegzuschmeißen.