The Red Rifle Reflection

26.10.2019, 04:35 Uhr J.B. Kolumne

Man muss tatsächlich nicht allzu weit zurückdenken, um sich daran zu erinnern, dass es Zeiten gab, in denen Bengals Quarterback Andy Dalton zu den Front-Runnern in der MVP-Debatte gehörte. Allerdings sind diese kurzen Hochphasen im seinem Spiel, die erstmals 2015 auftraten und dann erst Anfang 2018 wieder auftauchten, letztendlich selten, seit Dalton als Zweitrundenpick in die Liga kam. Seine Downs und noch viel mehr die frustrierende Mittelmäßigkeit in seinen Leistungen hat die klare Oberhand über die beschriebenen Ups. Nach so vielen Jahren, so vielen Chancen, wird deutlich, dass es sich das Team einfach nicht mehr leisten konnte noch länger darauf zu warten, dass Dalton endlich einmal konstant alle seine sicherlich vorhandenen Fähigkeiten zusammenfügt.

Nach Jahren des Hoffens, Jahren der Frage, ob diese Saison endlich die Seine sein kann, war es schlichtweg an der Zeit für die auch nach acht Spielen noch sieglosen Bengals ein neues Kapitel aufzuschlagen und den Blick auf den Quarterbacks der Zukunft zu richten, der die Zügel von „The Red Rifle“ übernehmen und frischen Wind in die eingerostete Franchise bringen müssen.
Ob das bereits mit dem nun zum Starter ernannten Rookie Ryan Finley, 4th Rounder der NC State, gelingen wird, muss sich in den nächsten Wochen nach der erst anstehenden Bye-Week zeigen. Wenn nicht, wird man voraussichtlich dennoch alle Möglichkeiten im kommenden April in Las Vegas haben.

Wir wollen hier und heute aber erst noch einmal auf die Karriere des Andrew Gregory Dalton aus Katy, Texas bei den Bengals zurückblicken. Seine Degradierung zum Backup ausgerechnet an seinem 32. Geburtstag war sicher nicht die feine Art und auch, dass er gerade die letzten Jahre eine "arme Sau" hinter der kaum vorhandenen O-Line war, ist ebenfalls richtig. Aber auf die gesamte Karriere gesehen, muss man zu dem Schluss kommen, dass seine eigenen Leistungen einfach nicht gut genug waren, um sein Team zu relevanten Erfolgen zu führen.

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Gedraftet an #35 im 2011 NFL Draft, war Andy Dalton acht Jahre als Starter in Diensten der Bengal-Tiger unterwegs, konnte dabei aber auf eine ganze Spielzeit bezogen nie beweisen, dass er besser als Durchschnitt sein kann. Das ist grundsätzlich vielleicht sogar etwas mit dem eine Franchise leben kann, aber auf Dauer sicher nicht leben will.
Die Bengals leben damit schon sehr sehr lange, was vielleicht auch daran liegt, dass Dalton immer wieder mal punktuell sehr gut war, aber eben nie langfristig gut genug, um seine Offensive über das Niveau der Mittelmäßigkeit zu heben, für die die Bengals inzwischen hinlänglich bekannt sind.

Pocket Präsenz

Aus einer sauberen Pocket heraus, also die Situationen in denen laut PFF die Performance eines Quarterbacks am stabilsten vorhergesagt und bewertet werden kann, ergibt sich dasselbe Bild über Daltons Zeit mit dem Team. Der Texaner hat in seiner gesamten Karriere 2.207 seiner 3.267 Passversuche aus einer sauberen Pocket für 24.031 Yards, 159 Touchdowns und 79 Interceptions angebracht. Unter allen 59 Quarterbacks, die seit 2011 mindestens 500 Pässe aus dieser Situation versucht haben, sind Daltons 75,9% Completion Percentage auf Rank 32 zusammen mit Mitch Trubisky, seine 7,4 Yards pro Versuch auf Rank 39 und sein 95,2 Passer Rating zusammen mit Eli Manning auf Rank 34. Alles quasi irgendwie innerhalb der „Dalton-Skala“ - weit entfernt von gut, aber es könnte eben auch noch schlimmer sein.

Primetime und Playoff Probleme

In Verbindung mit Daltons uninspirierendem Spiel aus einer Clean Pocket heraus sind auch seine Einbrüche in Primetime und Playoff-Matchups Aspekte seines Spiels, die die Bengals seit Jahren quälen. In seinen 22 Karrierespielen in Primetime und Playoffs hat Dalton 520 von 896 Pässe für 5.410 Yards, 27 Touchdowns und 22 Interceptions angebracht inkl. 36 Big-Time-Throws und 37 turnoverworthy Plays. Ein Team, das irgendwann sicher auch mal die Lombardi Trophy stemmen möchte, braucht genau das Gegenteil von dem, was Dalton in wichtigen Spielen in seiner Karriere gezeigt hat. Da wären die Verantwortlichen sicher sogar mit der gewohnten Durchschnittsperformance zufrieden gewesen, die voraussichtlich mal einen Playoffsieg gebracht hätte, doch ausgerechnet dort hatte er fast immer seine Downs.

Green Abhängigkeit

Die Ups hingegen sind meistens mit einem anderen Spieler der Dalton-Ära in Ohio verknüpft: A.J. Green. Steht Green auf dem Turf, ist Dalton ein anderer, besserer Quarterback. Tut der Wide Receiver das nicht, was in den letzten Saisons verletzungsbedingt leider immer häufiger der Fall war, brechen seine Leistungen in so gut wie allen wichtigen Kategorien ein.

Zusammengefasst ergibt das einen Franchise-Quarterback, der größtenteils ersetzbar war. Man hat in Cincinnati also über acht Jahre einen Mann under Center, der schwach ist, wenn er stark sein muss und der seine Playmaker braucht, um seine besten Leistungen zu bringen. Eigentlich sollte das genau andersrum sein.

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Mit der Aufbruchsstimmung, die der neue Head Coach Zac Taylor in die Stadt gebracht hat, hat sich auch die Wahrnehmung von Dalton geändert. „Es könnte schlimmer sein“, zählte nun nicht mehr und Woche für Woche schmolz der Kredit, den er bisher hatte. Denn bei dem aktuellen Record kaum verwunderlich, waren auch seine Leistungen in dieser Saison alles andere als vielversprechend. Mit 6,7 Yards pro Versuch liegt er nur über Mitch Trubisky, Sam Darnold und Daniel Jones. Seine Pocket Präsenz ist schlecht, er ist schwach unter Druck - ja, da muss man ihm wie oben bereits angedeutet zu Gute halten, dass er aufgrund von grottenschlechten O-Line Play davon sehr viel in den letzten Spielzeiten hatte - und auch wenn er aus der Pocket rausrollt, fehlt es ihm an Effektivität.

Dalton ist seit vergangenen Dienstag 32 Jahre alt, ohne verbliebenes, garantiertes Gehalt in seinem Vertrag. Nachdem er jahrelang ein Spielmacher war, der gut genug spielte, um kein wirkliches Positionsbattle aufkommen zu lassen, aber eben zu schlecht war, um ernsthaft in den Bereich eines Super Bowls zu kommen, war die Zeit für das Front Office gekommen - das sicher besonders mit Blick auf die fehlenden O-Line Verstärkungen einen eigenen, großen Anteil an der Bengals Misere hat - weiterzuziehen. Die Wahrscheinlichkeit eines Top3 Draftpicks ist hoch und wie wir alle bereits wissen, die Quarterback-Klasse stark. Man hat jetzt eh nichts mehr zu verlieren, also muss man die letzten Spiele nutzen, um Ryan Finley ausgiebig zu testen. Im Idealfall ist er bereits die lange gesuchte Antwort, was mehr Flexibilität im Draft bringen würde. Ist er das nicht - was wohl wahrscheinlicher ist - dann kommt der neue Hoffnungsträger eben aus dem Draft.

Es mag ein paar Saisons zu spät kommen, aber besser spät als nie. Das Front Office musste endlich das tun, wofür es nicht gerade bekannt ist: Die Zeichen der Zeit erkennen, den Wandel einleiten, in die Zukunft investieren und die Zügel der Offensive in andere Hände übergeben.