Trade-Überraschung: Elway glaubt an Flacco

13.02.2019, 11:21 Uhr T.H. Kolumne

Dass die Zeit von Quarterback Joe Flacco in Baltimore zu Ende ging, war wohl spätestens dann abzusehen, als Head Coach John Harbaugh vergangene Saison entschied ihm Rookie Lamar Jackson vor die Nase zu setzen. Dass aber die Broncos zuschlagen und den einstigen Super Bowl MVP per Trade nach Denver holen, war sicher nicht unbedingt zu erwarten.

Offiziell darf der Trade erst ab dem Start des neuen Ligajahres am 13. März gemacht werden, aber eine Einigung darüber wurde bereits erzielt. Als Gegenwert schicken die Broncos einen Draft Pick in einer der mittleren Runden, vermutlich einen der zwei 4th Rounder nach Maryland.

Dort ist nun also auch ohne Wenn und Aber die Zeit von Lamar Jackson gekommen und in Mile High die von Joe Flacco. Case Keenum wurde zwar erst im vergangenen Jahr verpflichtet, konnte die Erwartungen nach der starken Saison in Minnesota aber in keinster Weise Erfüllen. Entsprechend suchen die Broncos nun nach einem Tradeabnehmer für ihn. Finden sie diesen nicht, wird Keenum wohl seine Koffer packen müssen, sofern man sich nicht auf eine Umstrukturierung des Arbeitspapiers einigen kann. Schließlich wären Keenum kommende Saison stolze $7 Mio. garantiert.

Die Hoffnungen liegen nun also auf dem 34-jährigen aus New Jersey. Doch tun sie das wirklich? Im Netz wird der Trade von GM John Elway größtenteils zerissen. Seit dem Ende der Ära von Peyton Manning nach dem Super Bowl Sieg 2015 ist Flacco der fünfte Quarterback, der die Franchise wieder zum Erfolg führen soll. Brock Osweiler, Trevor Siemian, Paxton Lynch und Case Keenum vor ihm sind daran gescheitert.

Da stellt sich natürlich die Frage, was sich Elway von einem Quarterback verspricht, der ebenfalls seit dem Super Bowl Sieg 2013 nie wieder in dieser Form auflaufen konnte, zuletzt sogar für einen im Passspiel noch limitierten Rookie auf der Bank Platz nehmen musste. Flacco ist vom Spielertyp sehr ähnlich wie Case Keenum, ein klassischer Pocket Passer mit eingeschränkter Mobilität, der besonders in den letzten Jahren kaum noch durch große Highlights zu bestechen wusste und sich maximal in der Mittelmäßigkeit in Sachen Yards und Touchdowns wiederfand. Vergleicht man die Stats in den letzten Jahren ist der 1,98 m große Spielermacher sogar etwas schlechter als sein Vorgänger.
Warum soll er also ausgerechnet in Denver wieder zu seinen besten Tagen finden, wenn dort sein Supporting Cast mit vielen jungen und unerfahrenen Spielern kaum besser ist, als er das in Baltimore zuvor vorgefunden hat? Er mag etwas solider in der Pocket sein, allerdings wird ihm das nicht viel helfen, solange die Offensive Line nicht an Qualität zulegt. Man kann zusammenfassend also sagen, dass die Verpflichtung für beide Seiten kaum Sinn ergibt. Außer, dass Flacco spielen wird, anstatt auf der Bank zu sitzten.

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Doch hat nicht jede Story auch eine Kehrseite? John Elway hatte in seinen Quarterback-Entscheidungen zwar bisher kein gutes Händchen, er wird diesen Move aber kaum gemacht haben, ohne sich dabei etwas zu denken. Der Punkt hier, der für den Trade spricht, ist das geringe Risiko. Mal abgesehen von dem verlorenen Viertrundenpick haben die Broncos um ehrlich zu sein überhaupt nichts zu verlieren. Bei Keenum wusste man bereits, dass er nicht die Lösung für die Probleme sein wird. Bei Flacco ist trotz aller negativer Vorzeichen zumindest noch die Chance da, dass er etwas Positives ausrichten kann. Es gab mit Brett Favre und Nick Foles in der jüngeren Vergangenheit bereits ähnlich Situationen in denen das durchaus funktioniert hat. Kann Flacco das jedoch nicht, hat man zumindest nichts verloren, außer eine Spielzeit, in der man wohl ohnehin keinen Titel gewonnen hätte. Ohnehin wird man mit ihm nicht planen, in jedem Spiel 50+ Würfe zu nehmen. Wahrscheinlicher ist die Variante eines soliden und vorallem erfahrenen Spielmacher in einer run-heavy Offense mit dem neuen Shootingstar Philip Lindsay als Fixpunkt.
Da Flacco kein garantiertes Gehalt halt, kann man ihn ohne weiteres wieder entlassen. Dann hätte man wohl auch einen frühen Draftpick im kommenden Jahr und kann sich aus einer besseren Klasse den neuen Franchise Quarterback der Zukunft draften. Ein Schritt, der so oder so fällig wird.

Schlussendlich müssen wir auch gestehen, dass wir eher zu den Kritikern dieses Trades gehören, weil wir keine Verbesserung dadurch erwarten. Da er für die Broncos aber kein Risiko birgt, man einen ehemaligen Super Bowl MVP zum Nulltarif geholt hat und zumindest mehr Hoffnung besteht als mit Keenum, können wir auch die verstehen, die das Positive darin sehen.