2019 Draft Recap - AFC South

29.04.2019, 10:56 Uhr T.H. Draft

Es wird weiter spannend in der AFC South. Vor einigen Jahren noch eher eine Kellerkind-Division mit insgesamt wenig Qualität, haben alle vier Teams in den letzten zwei Jahren den Playoffeinzug geschafft und melden auch für die kommende Saison Anspruch auf den Divisiontitel und die Postseason an. Dafür hilft ein guter Draft natürlich ungemein.

Jacksonville Jaguars

Nach der 2017er Saison, in der der Super Bowl Einzug nur knapp verpasst wurde, galten die Jaguars in der zurückliegenden Spielzeit mit ihrer bärenstarken Defense als Favoriten zumindest in der AFC South. Endlich sollte die Zeit der Witze über die lange Erfolglosigkeit der Franchise vorbei sein. Doch es kam wie so oft anders, und die Verantwortlichen mussten dann doch einsehen, dass die Quarterback Situation einen großen Anteil daran hatte. Nick Foles heißt nun also der Heilsbringer. Wir sind gespannt, ob das wirklich aufgeht.

Übersicht

Runde Pick Position Spieler College
1 7 Edge Josh Allen Kentucky
2 35 OT Jawaan Taylor Florida
3 69 TE Josh Oliver San Jose State
3 98 LB Quincy Williams Murray State
5 140 RB Ryquell Armstead Temple
6 178 QB Gardner Mindshew Washington State
7 235 DT Dontavius Russell Auburn

Analyse

Um dem neuen Quarterback ein besseres Umfeld zu geben, stand im Front Office der Support von Foles sicherlich ganz oben auf der Prioritäten-Liste; also O-Line, Tight End oder Wideout. Doch der Plan wurde kurzerhand über den Haufen geworfen. Nicht aus Dummheit, sondern weil man nicht anders konnte. Der höher gehandelte DE Josh Allen fiel bis an #7 und GM David Caldwell schlug verständlicherweise zu. Kein Need mögen einige denken, doch nach dem Trade von Dante Follower fehlte dem Team durchaus ein weiterer, bärenstarke Outside-Passrusher neben Yannik Ngakoue, den die so schon gefährliche Defense mit Allen nun hat.
Die meisten Experten hatten mit diesem Pick auf einen der beiden vermeintlichen Top-OT’s gesetzt. Z.B. Jamaal Taylor an #7, doch da der aufgrund möglicher Knieprobleme fiel, konnten sich die Jaguars mit dem tatsächlich an #35 verstärken. Steal und Jackpot, wenn das Knie hält.
Den benötigten Tight End fand man in Runde 3 mit Josh Oliver. Starkes Blocking wird man hier nicht erwarten dürfen, denn er ist der Typ Passcatcher unter den TE’s; ein durchaus schneller übrigens.
Ebenfalls in dieser Runde ging der Bruder von 3rd Overall Pick Quinnen Williams, LB Quincy, nach Nordflorida. Ein Pick der sicher zunächst auf die Zukunft ausgelegt war, nach der Kenntnis über das Fehlen von LB Telvin Smith aber schon wichtig für 2019 sein könnte. Dennoch ein Reach, fehlt es Williams doch noch an einigem für die NFL.
Weiter ging es an Tag 3 mit RB Ryquell Armstead, der dem Backfield Speed bringt, für uns in dem vorhanden RB-Corps aber der falsche Spielertyp ist und nichts bietet, was die Jaguars nicht schon haben. QB Gardner Minshew ist nicht gut, wird sich aber dennoch daran versuchen die Backup-Challenge gegen Cody Kessler zu gewinnen und DT Dontavius Russell ist für die 7. Runde als 1-Technique ein ganz solider Value.

Fazit

Die ersten beiden Picks der Jaguars waren grandios in unseren Augen und werden das Team sofort auf dem Feld nach vorne bringen. Danach fehlt uns etwas der Enthusiasmus bei den weiteren Spielern, allerdings wurden Need-behaftete Positionen noch angegangen. Safety und Wide Receiver fehlt uns hier definitiv, wobei man in einem Draft natürlich auch nicht alles bekommen kann. Insgesamt besonders aufgrund der ersten beiden Runden ein gewohnt guter Draft der Mannen aus dem Jacksonville War Room.

Tennessee Titans

Den Titans steht eine wichtige Saison, was in erster Linie an der Situation auf ihrer Quarterback-Position liegt. Marcus Mariota geht in sein letztes Vertragsjahr und er wird diese Spielzeit zeigen müssen, dass er der richtige für die Zukunft in Nashville ist und auch, dass er gesund bleiben kann. Bisher konnte er beides nur selten und steht entsprechend vermehrt in der Kritik. Ob man ihm das Leben durch den Draft einfacher gemacht hat?

Übersicht

Runde Pick Position Spieler College
1 19 DT Jeffery Simmons Mississippi State
2 51 WR A.J. Brown Ole Miss
3 82 OG Nate Davis Charlotte
4 116 S Amani Hooker Iowa
5 168 OLB De'Andre Walker Georgia
6 188 ILB David Long Jr. West Virginia

Analyse

Auf einen Einsatz ihres First Round Picks werden die Titans Fans leider länger warten müssen, als es ihnen lieb ist. Denn DT Jeffery Simmons hat sich Mitte Februar das Kreuzband gerissen und wird noch länger ausfallen, im schlechtesten Fall die komplette Spielzeit. Dennoch hielt das die Verantwortlichen nicht davon ab, ihn an Pick #19 zu ziehen und uns gefällt das. Klar wünscht man sich mit der ersten Wahl einen direkten, positiven Einfluss aufs Spiel, aber Simmons ist richtig gut und ein massives Investment in die Zukunft, besonders dann in Kombination mit Jurrell Casey. Das wird sicher spaßig.
Spaß verspricht man sich auch vom neuen WR A.J. Brown, einer Position mit Need. Der Mann von der Ole Miss ist tough und könnte im Slot eine physische Komponente in der Mitte des Feldes und verlässliche Anspielstationen für Mariota bieten, inkl. ordentlich Yards after Catch.
Weiter mit den Needs, weiter mit dem sehr guten Value. Von der bärenstarken O-Line der Vorjahre war letzte Saison oftmals nicht viel zu sehen, was an Problemen in der Interior lag. Nate Davis ist super vielseitig, hatte ein tolles Meeting in Tennessee und könnte sich wohl die RG Starting-Position sichern, da er perfekt in diese Outside Zone Rushing Offense passt.
Einen richtigen Steal sehen wir in Runde 4 bei Safety Amani Hooker, der die Secondary deutlich vielseitiger macht, physisch spielt, Tight Ends covern kann und auch im Special Teams hilft.
Recht spät in Runde 5 ging GM Jon Robinson die Edgerusher Position an, fand hier mit D’Andre Walker aber nicht geahnten Value an #168, für den es über die Rotation zu mehr werden kann. Auch LB David Long zum Abschluss passt sehr gut und hat Chancen auf den Roster.

Fazit

Tennessee hat es in unseren Augen fertig gebracht all ihre Spieler in passenden Regionen des Drafts zu ziehen und dafür guten Value zu bekommen. Wir sehen keinen einzigen Reach, sogar noch Steals, sind entsprechend schwer zufrieden mit der Leistung des Front Offices und gleichzeitig gespannt, wie die Saison in Nashville mit den neuen Spielern und Mariota laufen wird. Denn mit dem Roster könnte es schlussendlich am Quarterback liegen.

Werbung/Affiliate

Indianapolis Colts

Im letzten Jahr durften wir die beeindruckende Auferstehung der Indianapolis Colts erleben, denen GM Chris Ballard besonders dank eines ganz starken Drafts neuen Leben eingehaucht hat. Von der Luck-Rückkehr ganz zu schweigen. Trotz des größten Cap Space aller Teams, blieb man in der Free Agency erneut bescheiden und fokussierte sich wieder auf den Draft.

Übersicht

Runde Pick Position Spieler College
2 34 CB Rock Ya-Sin Temple
2 49 DE Ben Banogu TCU
2 59 WR Parris Campbell Ohio State
3 89 LB Bobby Okereke Stanford
4 109 S Khari Willis LSU
5 144 S Marvell Tell USC
5 164 LB EJ Speed Tarleton State
6 199 LB Gerri Green Mississippi State
7 240 OT Jackson Barton Utah
7 246 C Javon Patterson Ole Miss

Analyse

Der Colts GM begann mit einem klassichen Ballard-Move und tradete aus der ersten Runde raus, um sich einen zusätzlichen Second Rounder in diesem und nächstem Jahr zu sichern. So ging es mit drei Zweitrundenpicks in den zweiten Tag, wo CB Rock Ya-Sin den Beginn machte. Einige sehen hier einen Reach, wir hingegen mögen den Mann mit dem coolen Namen und sehen viel Potential. Allerdings spielen die Colts meistens Zone, während Ya-Sin eher der Man-Coverage-Typ ist. Mal gucken, wie das aufgeht, Tiefe war definitiv nötig.
Bei Edgerusher ging es weniger um Tiefe, als um sofortige Hilfe. Ben Banogu ist so explosiv und athletisch, dass er auf vielen Positionen zum Einsatz kommen kann, auch wenn er zuletzt eher der DE als OLB war. Doch von einem Justin Houston im Roster wird er viel lernen und ggf. direkt für Furore sorgen können.
Aufgrund von Verletzungen und Inkonstanz abgesehen von T.Y. Hilton musste ein neuer WR her. Parris Campbell ist der Mann, der mit 4,31 Sekunden die schnellste 40-Yard Dash Zeit bei der Combine lief. Diese Schnelligkeit erlaubt es HC Frank Reich ihn verschiedenst einzusetzen. Er mag nicht der beste Receiver auf dem Board gewesen sein, aber einer, der perfekt in das vorhandene Corps zu passen scheint.
Ein weiterer guter Pick war der von LB Bobby Okereke in Runde 3: körperlich stark, Reichweite, Athletik. Erinnert ein wenig an Jetzt-Kollege Darius Leonard und wenn das genauso aufgeht, na dann Prost.
Bei Khari Willis zu Beginn von Tag 3 haben wir den Uptrade nicht verstanden und hätten hier wenn dann lieber die Hooker-Kombo auf Safety mit Malik und Amani gesehen. Er ist zumindest eine Verletzungs-Versicherung, genau wie der nächste Safety an #144 in Marvell Tell, mit dem man wohl eher als Corner plant.
Der verständliche Fokus auf Defense ging weiter. LB EJ Speed sorgte aber neben seinem Namen auch mit einer Verhaftung für Aufsehen und DE Gerri Green wird sich als Passrusher versuchen ins Roster zu trainieren. Zwei O-Liner in OT Jackson Barton und C Javon Patterson beendeten den Colts Draft in Runde 7. Typische Dartpfeile halt.

Fazit

Die Colts wollten athletische und physische Präsenz überall auf dem Feld, sowie coole Namen… und das haben sie auch bekommen. Dabei scheint man weiter an die Zukunft zu denken, denn einige Spieler brauchen vielleicht noch ein Jahr Erfahrung. Doch die Zeit hat man in Indy.
Alles Gold war es für uns nicht, aber wir erinnern uns mal ans letzte Jahr. Da konnten wir mit einigen Picks, wie z.B. einem gewisser Leonard, auch nicht so viel anfangen und das Resultat ist bekannt. Deshalb, trust in Chris Ballard und insgesamt war es für uns ja auch ein guter Draft.

Houston Texans

Hinter den Texans liegt eine grandiose Saison, die sie mit dem Titel in der AFC South zu krönen wussten. Und das obwohl man quasi die komplette Spielzeit ohne O-Line ausgekommen ist. QB Deshaun Watson hat das u.a. mit 62 Sacks auch mehr als ordentlich zu spüren bekommen, wusste seine Offense aber dennoch zu ausreichend Punkten für einen Sieg zu führen. Gut, da hatte man bei vielen knappen Entscheidungen sicher auch das Glück des Tüchtigen und gegen Ende der Saison schien die Puste dann ausgegangen, sodass man im Draft nachrüsten musste.

Übersicht

Runde Pick Position Spieler College
1 23 OT Tytus Howard Alabama State
2 54 CB Lonnie Johnson Jr. Kentucky
2 55 OT Max Scharping Northern Illinois
3 86 TE Kahale Warring San Diego State
5 161 DE Charles Omenihu Texas
6 195 CB Xavier Crawford Central Michigan
7 220 RB Cullen Gillaspia Texas A & M

Analyse

Ufff… Wir haben den Draft der Texans, aber besonders den ersten Pick schon zweimal zuvor analysiert, aber es ist hier nicht wie mit einem guten Wein. Je länger der Pick von OT Tytus Howard reift, desto schlechter wird er in unseren Augen. Ja, ein OT musste her. Aber doch nicht einer, der noch nicht ready ist. Watson braucht genau jetzt Hilfe, wenn er auf dem Feld nicht „sterben“ soll. Howard stand bei kaum einem Experten vor Tag 3 auf dem Big Board und auch wenn die Eagles den Texans Andre Dillard vor der Nase wegschnappten, waren immer noch Leute wie Cody Ford, Jawaan Taylor oder Dalton Risner da. Ein Panik-Pick von GM Rick Smith und seinem Team, that’s it!
Wir beruhigen uns wieder, auch wenn uns das nicht leicht fällt, weil es nicht großartig besser wurde. Lonnie Johnson war der nächste in Runde zwei. Er adressiert ein Need, ist physisch stark und schnell, hat aber noch technische Mängel und war für uns nicht der bestverbliebene Corner auf dem Board. Besonders sein Tape war schlecht. Dennoch, Tiefe und Special Teams Unterstützung bringt er allemal, und vielleicht ja noch mehr?
Ein Pick später folgte der nächste Tackle in Max Scharping. Genau wie Howard kann auch dieser auf Tackle oder Guard auflaufen, bringt also zumindest Flexibilität. Doch auch hier sehen wir das böse Draftwort mit „R“ aufleuchten. Reach für einen Spieler, der sicher noch einige Zeit benötigt, bis er den Impact bieten kann.
Wo wir schon bei Projekten sind, landen wir bei TE Kahale Warring. Ein super Athlet, der das Footballspielen aber noch lernen muss. Tut er das, kann er ein großer werden.
Jetzt aber… der beste Pick im Draft der Texans - und vielleicht auch der beste aller gedrafteter Spieler - ist DE Charles Omenihu an #161. Er bringt einer guten aber dünnbesetzten Passrusher-Kombo mehr Tiefe und einen sehr guten Value so spät im Draft.
Ein weiterer Outside und Nickel Corner in Xavier Crawford und ein Fullback wohl überwiegend für die Special Teams in Cullen Gillaspia runden den Draft ab.

Fazit

Das Resümee wird jetzt kaum überraschend kommen: Das war nichts. Zumindest aus unserer Sicht hätten die Texans Verantwortlichen hier deutlich mehr direkte Hilfe rausholen können. Kleines Beispiel gefällig? Cody Ford in Runde 1 ziehen und in Runde 2 ein paar Plätze nach oben traden, um Dalton Risner nachzulegen. Schon hätte Watson sicher deutlich mehr Spaß gehabt und wir auch. Aber wir lassen uns gerne eines Besseren belehren.