2019 Draft Recap - NFC West

29.04.2019, 10:57 Uhr Draft

Wir schließen unsere Review-Reihe mit einer Division ab, in der nun drei Teams versuchen werden die neue Regentschaft des Vize-Champions aus Los Angeles schnell wieder zu durchbrechen.

Arizona Cardinals

Lange wurde drüber gerätselt: Draften die Cardinals Kyler Murray und traden den Quarterback, den sie erst letztes Jahr in den Top 10 auswählten? Bleiben sie bei Josh Rosen und verstärken ihre Defense?
Mit einem der schwächsten Roster der NFL würde es einiges brauchen, um 2019 ein respektables Team auf den Gridiron zu schicken und Neu-HC Kliff Kingsbury einen gelungenen Einstand zu ermöglichen.
Folgendes geschah.

Übersicht

Runde Pick Position Spieler College
1 1 QB Kyler Murray Oklahoma
2 33 CB Byron Murphy Washington
2 62 WR Andy Isabella Massachusetts
3 65 DE Zach Allen Boston College
4 103 WR Hakeem Butler Iowa State
5 139 S Deionte Thompson Alabama
6 174 WR Keesean Johnson Fresno State
6 179 C Lamont Gaillard Georgia
7 248 OT Joshua Miles Morgan State
7 249 DE Michael Dogbe Temple
7 254 TE Caleb Wilson UCLA

Analyse

In den letzten Wochen hatte es sich schon angedeutet, Kyler Murray wurde tatsächlich der First Overall Pick des 2019er Drafts. Das ist grundsätzlich kein schlechter Pick, wenn man bedenkt, dass er in Oklahoma ein sehr ähnliches Scheme wie Kingsburys Air-Raid Offense gespielt hat und der klar beste Quarterback dieser Draftklasse war. Dennoch waren wir weiter von Rosen überzeugt und hätten bei den vielen Lücken im Roster einen anderen Weg eingeschlagen. Was hingegen schon schlecht ist, ist dass sich GM Steve Keim erst Minuten vor Beginn der ersten Runde nach Tradepartnern für Rosen umsah und so wertvolles Draftkapital liegenließ, wie sich im weiteren Verlauf des Drafts herausstellte.
Danach wurden zumindest auch allesamt Spieler mit gutem Value gezogen. Mit Andy Isabella und Hakeem Butler wurden in den mittleren Runden das Receiving Corps deutlich verstärkt und machen mit dem bereits angesprochenen neuen Spielmacher, sowie der neuen Offense u.a. zusammen mit WR-Legende Larry Fitzgerald Sinn. Besonders zweitgenannter Rookie-Receiver ist an #103 ein echter Steal für uns. Gleiches gilt für Zweitrundenpick Byron Murphy, der gegenüber von Patrick Peterson in eine optimale Situation kommt, da er kein klassischer Press-Man CB ist. Er war für uns der beste Corner im Draft, sodass sich die Cards glücklich schätzen können, so einen klasse Spieler in Runde zwei bekommen zu haben.
Den Pick von DE Zach Allen in Runde drei halten wir dagegen für etwas früh, da er in der NFL keine klare Position hat und oft von außen nach innen rotieren werden muss. In den späteren Runden gefielen uns besonders S Deionte Thompson und C Laimont Gaillard. Auch Mr. Irrelevant, TE Caleb Wilson, ist ein starker letzter Pick mit tollem Value, der mit Blick auf die Zukunft auch helfen könnte.

Fazit

Womit wir beim Fazit direkt zu unserem Hauptkritikpunkt kommen. Die Spieler, die ausgewählt wurden, sind grundsätzlich gut, jedoch haperte es drumherum an einigem. Die letztes Jahr so schwache Offensive Line wurde erst spät verstärkt und braucht viel Verletzungsglück, um funktional zu bleiben. Kingsbury legt Wert auf ein Quick-Passing Game, das die O-Line entlastet, aber dauerhaft kann er Murray dadurch auch nicht helfen.
Die Handhabung des Rosen-Trades war ebenfalls äußerst zweifelhaft, aber rundum darf man als Cardinals Fan schon zufrieden sein. Ein Plan ist erkennbar, bleibt abzuwarten ob dieser ein guter ist.

San Francisco 49ers

Erst eine Saison mit Brain Hoyer und CJ Beathard under Center, dann eine mit Jimmy Garoppolo, der sich im dritten Spiel das Kreuzband riss. Dass San Francisco in den letzten Jahren nicht viele Spiele gewinnen konnte ist verständlich, doch langsam ist das Motto „Brick by Brick“ ausgelutscht. GM John Lynch und HC Kyle Shanahan müssen langsam Spiele gewinnen und dieser Draft hatte einige Lücken zu füllen. Mit der Verpflichtung von LB Kwon Alexander und dem Trade für DE Dee Ford wurde ein erster Schritt bereits in der Free Agency getan.

Überblick

Runde Pick Position Spieler College
1 2 DE Nick Bosa Ohio State
2 36 WR Deebo Samuel South Carolina
3 67 WR Jalen Hurd Baylor
4 110 P Mitch Wishnowsky Utah
5 148 LB Dre Greenlaw Arkansas
6 176 TE Kaden Smith Stanford
6 183 OT Justin Skule Vanderbilt
6 198 CB Tim Harris Virginia

Analyse

Die ersten beiden Picks der Kalifornier waren die vermutlich offensichtlichsten der ganzen Draftklasse. DE Nick Bosa an #2 ist einer der zwei besten Spieler des Drafts und füllt einen riesigen Need. Seit dem Abgang von Aldon Smith vor einigen Jahren fehlte den Niners ein erstklassiger Edgerusher, jetzt haben sie in einer Offseason gleich zwei bekommen. Von WR Deebo Samuel hörte man seit dem Senior Bowl, dass er perfekt ins System Shanahans passe und die Niners an ihm interessiert seien. Er wird perspektivisch Veteran Pierre Garcon ersetzen und dem dürftig besetzten WR-Room guttun.
Die nächsten beiden Picks waren schon interessanter. In Runde drei zogen die Niners den Ex-Volunteers-RB Jalen Hurd, der bei Baylor auf Wide Receiver wechselte und erst ein Jahr Erfahrung hat. So früh hatte wohl kein Experte den vielversprechenden, aber auch sehr rohen Prospect gesehen. Gleich gilt für Punter (!) Mitch Wishnowsky. In der vierten Runde einen Punter zu ziehen dürfte schon für Stirnrunzeln sorgen, dass der Australier aber laut PFF nicht mal der beste Punter der Draftklasse war, lässt den Pick doch sehr fragwürdig bis unverständlich aussehen.
Mit dem OT Justin Skule, dem athletischen aber oft verletzen CB Tim Harris und Contested-Catch-TE Kaden Smith wurde in den späten Runden immerhin noch etwas Value eingesammelt. Der Pick von LB Dre Greenlaw in Runde fünf kam jedoch auch arg früh.

Fazit

Insgesamt ist dieser Draft maximal neutral zu sehen. Die ersten beiden Picks sollten den Niners von Tag eins weiterhelfen und auch wenn in den mittleren Runde ein paar Headscratcher dabei waren, kann man an den Day 3 Picks nicht viel aussetzen.
Kritisch hingegen ist neben dem Punter-Draft, dass GM John Lynch es scheinbar nicht für nötig hielt, seine im letzten Jahr desaströse Secondary, die mit nur zwei (!) Interceptions Negativrekorde aufstellte, zu verstärken.

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Seattle Seahawks

Gerade in der Defensive Line, die mit Frank Clark den letzten großen Leistungsträger nach Kansas City verlor, musste der Hauptfokus für die Seahawks in diesem Draft liegen.
Wie NFL-Analyst Brett Kollmann vor dem Draft so schön formulierte:

Nach der Vertragsverlängerung für Russell Wilson musste auch an dem Supporting Cast weiter gearbeitet werden, damit er nicht wie letztes Jahr ständig Alleinunterhalter spielen muss.
Schauen wir uns an, was dabei heraussprang:

Übersicht

Runde Pick Position Spieler College
1 29 DE L.J. Collier TCU
2 47 S Marquise Blair Utah
2 64 WR D.K. Metcalf Ole Miss
3 88 LB Cody Barton Utah
4 120 WR Gary Jennings Jr. West Virginia
4 124 OG Phil Haynes Wake Forrest
4 132 CB Ugo Amadi Oregon
5 142 LB Ben Burr-Kirven Washington
6 204 RB Travis Homer Miami
6 209 DT Demarcus Christmas Florida State
7 236 WR John Ursua Hawaii

Analyse

Mit nur fünf Picks wurden in diesen Draft gegangen, doch mit einigen Trades erhandelten sich die Seahawks so viel Draftkapital, dass sie letztendlich elf Spieler ziehen konnten. Dafür schonmal unseren Respekt.
Direkt ihr erster Pick war allerdings einer der Schocker der ersten Runde. DE LJ Collier wurde schon vor der Combine nicht so früh gehandelt. Nachdem er sich als mieser Athlet herausstellte, erst recht nicht mehr. Vom Scheme-Fit her mag es durchaus passen und Collier erinnert stark an einen gewissen Michael Bennett, aber seine Name führt sicher nicht dazu, dass der oben stehende Satz von Kollmann keine Gültigkeit mehr besitzt. Für eine erste Runde war das ein klarer Reach.
Mit zwei der nächsten drei Picks lotste GM John Schneider im Anschluss Utah Defender nach Seattle. Safety Marquise Blair ist ein hochaggressiver Box Safety, der gewissermaßen eine schmale Reinkarnation von Kam Chancellor ist, wohingegen LB Cody Barton langfristig den alternden KJ Wright ersetzen soll. Beide Picks kamen ebenfalls etwas früh, passen jedoch auch hervorragend ins Scheme.
Dazwischen holten sich die Seahawks mit WR DK Metcalf jedoch einen der Steals des Drafts in unseren Augen. Der Monster-Athlet war wohl hauptsächlich wegen seiner Nackenverletzung so tief gefallen, passt mit seiner Geschwindigkeit und seinem Spielstil gut in Seattles vertikale Offense. Russell Wilson wird es freuen.
An Day 3 wurden dann viele Spieler gezogen, die wir nicht gut einschätzen können, aber zumindest folgende Picks gefielen uns: S Ugo Amadi in der vierten Runde könnte sich langfristig den Starting Job als Nickelback erarbeiten und RB Travis Homer in der sechsten ist ein gefährlicher Back im Receiving Game.

Fazit

Auch wenn der erste Pick diesen Draft etwas trübt, waren wir größtenteils an Bord mit Schneiders und Carrolls Strategie. Runtertraden, viel Draftkapital anhäufen und mit vielen Picks versuchen den Glück-Faktor im Draftprozess zu eliminieren und zumindest für Scheme-Fits zu sorgen. Statistisch gesehen sind selbst die besten Teams nicht „gut“ im Draften, deshalb macht es Sinn viele Spieler zu ziehen, um seine Chancen zu erhöhen. O-Line hätte man dabei jedoch noch etwas mehr fokussieren können. Dennoch, auf den ersten Blick hatten die Seahawks einen guten Draft.

Los Angeles Rams

Viel musste in Los Angeles nicht getan werden, immerhin stand man im Februar erst im Super Bowl gegen Tom Brady und Co. Insofern stand dieser Draft im Zeichen einige kleinere Needs zu füllen und langfristigen Ersatz für Veteranen wie Andrew Whitworth oder Aqib Talib zu finden. Besonders Todd Gurleys ungewisse Zukunft machte vor der Talentwahl Schlagzeilen.

Übersicht

Runde Pick Position Spieler College
2 61 S Taylor Rapp Washington
3 70 RB Darrell Henderson Memphis
3 79 CB David Long Jr. Michigan
3 97 OT Bobby Evans Oklahoma
4 134 DT Greg Gaines Washington
5 169 OT David Edwards Wisconsin
7 234 S Nick Scott Penn State
7 251 LB Dakota Allen Texas Tech

Analyse

Ähnlich wie die Seahawks machte sich GM Les Snead daran seine Picks zu vermehren und tradete gleich zweimal herunter, sodass erst an Pick #61 der erste Spieler zu den Rams kam. Safety Taylor Rapp ist starker Value zu diesem Zeitpunkt und wird zunächst für Tiefe hinter Eric Weddle und John Johnson sorgen, kann aber auch in Big Dime Packages als dritter Safety in der Box agieren.
Neun Picks später kam der oben angedeutete RB, nämlich Darrell Henderson vom Board. Als explosiver Runner und Passempfänger passt er gut in McVays Screen-lastiges System, auch wenn man sich schon fragen sollte, wieso die Rams Backup Malcolm Brown mit einem so hohen Tender belegt haben. Und was bedeutet das für Todd Gurley? Wie steht es um ihn? Wir beteiligen uns mal nicht an Verschwörungstheorien und warten einfach ab.
In Runde drei und fünf kamen zwei Offensive Tackles als zukünftiger Ersatz für LT Whitworth. Bobby Evans Jr. in der dritten kam für uns etwas früh, zumal eher zu vermuten ist, dass seine Zukunft in der NFL auf Guard sein könnte. David Edwards in der fünften Runde hingegen gefällt uns, da er zwar keine gute 2018er Saison hatte, aber dennoch sehr talentiert ist. Zeit zum Lernen und einen guten Mentor hat er allemal.
In CB David Long, übrigens nicht der einzige David Long dieser Draftklasse, wurde ein Man-Corner gedraftet, der sich im Optimalfall zum Nachfolger Talibs entwickelt, der in sein letztes Vertragsjahr geht. Greg Gaines in der vierten Runde sollte für Tiefe im DT-Corps hinter Aaron Donald und Michael Brockers sorgen. Die späteren Picks S Nick Scott und LB Dakota Allen werden sich für den Roster-Cut strecken müssen. Vielleicht schaffen sie es als Special Teamer in den Kader. Fans der Netflix-Doku „Last Chance U“ könnte Dakota Allen bekannt sein, der in der zweiten Staffel beim Community College EMCC eine der Hauptfiguren war.

Fazit

Für ein Team in einer so komfortablen Situation wie die Rams, ist dieser Draft kaum zu beurteilen. Sie hatten nicht viele Needs und für uns ist es schwer einzuschätzen, wie der Coaching Staff es schafft, die vielen Talente in der Zukunft zu formen.
Sofortige Starter haben sie aus dieser Draftklasse vermutlich nicht bekommen, mussten sie aber auch nicht.