2019 NFL Draft - Short Takes

29.04.2019, 11:06 Uhr J.B. Draft

Bevor wir in die detaillierte Draft-Analyse aller 32 Teams gehen, überbrücken wir die Zeit und gewähren schonmal einen ersten Blick auf die besten und vermeintlich schwächsten Performances der Teams.

Dazu haben wir fünf Franchise auserkoren, die unserer Meinung nach im Vergleich zur Erwartungshaltung, den Needs und den verfügbaren Picks einen sehr sehr guten Job gemacht haben, aber eben auch fünf, die das vielleicht nicht getan haben.
Wobei es uns tatsächlich schwer gefallen ist, die fünf "schwächsten" Teams hier auszuwählen. Denn insgesamt haben die Front Offices in einem recht ruhigen Draft gute Arbeit geleistet, sodass der Pool an Top-Performern deutlich größer als fünf war.

Dennoch, fangen wir erstmal mit unseren persönlichen, besten Draftleistungen an:

Washington Redskins

Starke Leistung der Redskins Verantwortlichen um Besitzer Dan Snyder. Kann man nicht anders sagen und hat man wohl auch lange nicht in der Form gesagt.
Die Redskins haben in Dwayne Haskins ihren voraussichtlichen Franchise Quarterback an Position 15 bekommen, ohne dafür hochzutraden zu müssen und konnten ihm im weiteren Verlauf ein vielversprechendes Supporting Cast zur Verfügung stellen, darunter auch ein alter Bekannter der Ohio State. Der Steal war aber wohl der von Montez Sweat, einen der besten Pass Rusher im Draft, wobei man für den Trade-Up kaum was hergeben musste.
Insgesamt hat man gut in die offensive Zukunft und den Pass Rush investiert, ohne dabei Draftkapital zu verschwenden. Fragt sich nur, ob das im ersten Jahr für HC Jay Gruden bereits aufgeht?

Buffalo Bills

Eigentlich war in Buffalo erwartet worden, dass man QB Josh Allen im Draft so gut wie möglich unterstützt. Doch als Ed Oliver ihnen dann an Position 9 in die Hände fiel, für den man sogar gedachte hochzutraden, musste man richtigerweise zuschlagen. Starker Pick, der die eh schon gute Defense noch weiter stärkt. Zu den schon getätigten Additionen aus der FA, ging man dann tatsächlich auf wichtige offensive Unterstützung. OL Cody Ford war ein Steal an #38. Weiter ging es mit sinnvollen Ergänzungsspieler in der Offense, wie auch punktuelle Verstärkungen in der „D“.
Alles in allem haben GM Brandon Beane und HC Sean McDermott das Bestmögliche getan, um nächstes Jahr wieder ein größeres Wörtchen in der AFC East mitzusprechen.

Denver Broncos

Dass man GM John Elway mal für seine Entscheidungen lobt, kam in der Vergangenheit auch nicht so oft vor.
Mit TE Noah Fant entschied man sich für einen äußerst fähigen Pass Catcher, was besonders für den Tight End liebenden Flacco wichtig und hilfreich ist. Dazu bekam man noch Picks von den Steelers. OL Dalton Risner wird der so schwachen O-Line Stabilität verleihen und ist dazu flexibel einsetzbar und dann… ja, dann war da tatsächlich noch Drew Lock auf dem Board. Der Quarterback, den viele schon an #10 zu den Broncos gemockt hatten. Elway gab zwei Picks in den Hundertern ab und holte sich einen möglichen Quarterback der Zukunft. Weitere Picks in die Zukunft der Verteidigung, sowie einen einen Wideout mit Entwicklungspotential runden eine absolut runde Sache in unseren Augen ab.

Baltimore Ravens

Für die Ravens war es eine schwierige Offseason bis zum Draft, bei dem man sich dann aber immerhin etwas rehabilitieren konnte.
Wide Receiver mussten her und den explosivsten bekam man in Runde 1 nach Trade-Down in „Hollywood“ Brown. Pass Rusher Jaylon Ferguson war ein Steal an #85. Er soll Terrell Suggs ersetzen, dessen Division I Sack Record er im College gebrochen hatte. Ansonsten gab es weitere Hilfe für QB Lamar Jackson, einen wichtigen CB-Pick für die Zukunft, Tiefe für die D-Line und den dritten Quarterback, der eine Art Taysom Hill für die Ravens werden könnte.
Der neue GM Eric DeCosta hätte sicherlich einen schlechteren Einstand als Ozzie Newsome Nachfolger haben können.

New England Patriots

Wie könnte es anders sein, mischt auch der Dunkle Lord hier munter mit. GM und HC Bill Belichick hat erneut bewiesen, warum die Patriots seit „Jahrzehnten“ so erfolgreich sind: sehr gute Draftarbeit!
Auch wenn man mit WR im Draft zumeist Pech hatte, wird K’Neal Harry vermutlich funktionieren und Tom Brady ein Redzone-Threat sein. Die DB-Unterstützung in Runde 2 ist dagegen Standard in New England und Passrusher Chase Winovich ist ein Steal für uns. RB Damien Harris scheint in der großen RB-Gruppe erstmal etwas über, könnte aber einen Rex Burkhead auch durchaus den Rosterplatz kosten. Im weiteren Verlauf mit gutem OL-Value ignorieren wir die Punter-Wahl mal. Kann man sich leisten, genau wie QB Jarrett Stidham. Der spielt ja eh nicht.
Nicht alles perfekt, aber dennoch stark genug für unsere Top5 und ein erneutes Jahr Dominanz?

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Wenn es Performances gab, die einem gefallen, gibt es zumeist auch welche, die man sich besser erwartet hätte. Viele und klare wie eingangs erwähnt zwar nicht, aber fünf haben wir schlussendlich zusammen bekommen. Wobei wir hier nicht von Verlierern (und auch zuvor nicht von Gewinnern) reden wollen, denn das wird sich erst in einigen Jahren zeigen.

Also, hier unsere fünf Teams, von denen wir uns einen anderen Job erwartet hätten:

New York Giants

Das kommt hier wohl wenig überraschend, denn alleine die beiden ersten Picks der Giants an #6 und #17 waren bereits so unverständlich, dass sie schon gereicht hätten, um insgesamt mit einem negativen Eindruck aus dem Draft zu gehen. Immerhin, für GM Dave Gettleman hat es zumindest den Nebeneffekt, dass er so wohl nur noch gewinnen kann. Dasselbe gilt auch für einen in New York ausgebuhten QB Daniel Jones. Er kann nur positiv überraschen, was ihm helfen sollte.
Im weiteren Verlauf wurde es deutlich besser, u.a. mit drei Cornerbacks, einem Passrusher und einem Linebacker, die die Defense verstärken sollen und sicher auch werden. Allerdings wurde die ebenfalls wichtige O-Line nur noch in der letzten Runde angegangen.
Alles in allem hat man für uns in Runde 1 zu viel liegen gelassen.

Houston Texans

Bei den Texans hatten wir ein wenig das Gefühl, dass sie in diesem Draft ausschließlich auf die physischen Eigenschaften der Spieler geschaut haben, denn abgesehen vom zuletzt gepickten Special Teamer sind alle anderen Rookies schon Erscheinungen auf ihren Positionen.
Besonders mit den ersten zwei Picks hat man in unseren Augen nicht das beste Händchen bewiesen, was bei Pick #23 natürlich auch an den Eagles lag. OT Tytus Howard ist genauso ein Projekt, wie CB Lonnie Johnson, doch auf beiden Positionen wäre sofortige Hilfe alles andere als verkehrt. Es gab zumindest noch einen weiteren Tackle in Max Scharping, der ordentlichen Value bringt. Die zwei folgenden Picks in TE und IDL fanden wir dagegen sehr gelungen, dennoch ein Draft, der in unseren Augen besser hätte laufen können.

Tampa Bay Buccaneers

Ja, die Bucs. Was machen wir nun mit denen? Auch hier hatten wir uns durchaus mehr von versprochen. Devin White mit dem fünften Pick zu ziehen war irgendwie logisch und ist für uns auch absolut okay, mit etwas Abstand fragen wir uns aber zumindest, ob der Value eines Ed Olivers oder Josh Allens nicht größer gewesen wäre.
Die folgenden drei Picks gingen danach alle in die Secondary, was nach letztem Jahr auch sehr vernünftig war. Aber als Bunting ausgewählt wurde, war bspw. ein Greedy Williams mit deutlich mehr Upside noch da. Es war ansonsten solide, aber richtig vom Hocker hat uns nichts gerissen. In Runde 5 wären wir eher vom Hocker gefallen, als man schon wieder einen Kicker draftete. Bitte nicht…
Naja, wenn es wer in Tampa richten kann, dann wohl Neu-Bruce Arians mit Neu-DC Todd Bowles.

Detroit Lions

Mehr als Durchschnitt war der Draft für die Lions ebenfalls nicht. Was allerdings hier für uns eher an der Priorisierung der Picks liegt. Denn alle drei in den Top100 wurden in Positionen investiert, die in der heutigen NFL einen vermeintlich geringeren Value haben.
Den TE T.J. Hockenson Pick fanden wir gut, birgt aber auch ein Risiko bei den zu der Zeit noch verfügbaren Spielern auf dem Board, zumal die Lions nun den dritten Tight End in Runde eins in den letzten Jahren gezogen haben. Die beiden folgenden Spieler in LB Jahlani Tavai und S Will Harris waren dagegen zu hoch für uns. Immerhin, Amani Oruwariye war unser fünftbester Corner auf dem Board und in Runde 5 deshalb ein Steal. Die letzten vier Picks waren allesamt in Runde 6 und 7 und gingen zu 75% in die offensive Produktion, doch wo blieb eigentlich die Unterstützung in die O-Line?
Wir glauben da war mehr drin.

Atlanta Falcons

Wir hatten es in unserer Runde 1 Analyse schon angedeutet. Die Gründe für die Verantwortlichen in Atlanta zwei Picks in die O-Line zu investieren, sind verständlich und verfolgen sicherlich den richtigen Ansatz nach letztem Jahr. Das „Wen“, „Wie“ und „Wann“ gefällt uns aber weiterhin nicht so. Chris Lindstrom war für uns etwas zu früh und nach den zwei Guard FA-Verpflichtungen hätte es vielleicht erst andere Needs gegeben. Schlimmer ins Gewicht fällt für uns aber der Trade-Up für einen wohl noch nicht fertigen OT Kaleb McGary, wodurch man an Tag 2 gar keinen Pick mehr hatte.
Einen defensiven Need ging man dann mit CB Kendall Sheffield und später auch noch CB Jordan Miller an, was okay ist. Vermissen tun wir aber immer noch die andere große Lücke auf der Seite: Edgerusher. John Cominsky scheint eher ein 3-4 End und damit ggf. Fehl am Platze. Dafür nahm man später noch zwei Runningbacks.
Nein, es war nicht „unser“ Draft.