2019 Top 5 Prospects - Wide Receiver

18.03.2019, 12:24 Uhr T.H. Draft

Wir nehmen einen Schlenker zu einer der wichtigsten Skill Positions in jedem NFL-Roster. Soll es durch die Luft gehen, braucht sie jede Franchise; die Wide Receiver.

Als klare Nummer eins an der Sideline klebend oder als flinker Fuß im Slot. Die Passfänger – im abgeflachten Deutsch – haben ihren Stellenwert in den letzten Jahre nochmals erhöht. Neben den Quarterbacks ist diese Position wohl eine, mit dem man die größten Stars verbindet, ob OBJ, Antonio Brown, Julio Jones oder DeAndre Hopkins.

Dabei müssen viele spielerische Faktoren zusammenkommen: Schnelligkeit, Beweglichkeit, Awareness, Hände...; es ist wohl die umfangreichste Position. In diesem Jahr besticht die Gruppe nicht durch, sagen wir mal, absolute Granaten. Schon bei den Top Five lässt sich viel argumentieren und herumschieben.

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Wide Receiver

1. D.K. Metcalf - Ole Miss

DK Metcalf ist ein Freak. Mit 228 Pounds sollte kein Mensch in der Lage sein 40 Yards in 4.33 s zu laufen. Dazu kommt, dass der 6'3" große Receiver mit sehr langen Armen und großen Händen einen unglaublichen Fangradius hat, weshalb er in der Lage ist, sich allein durch seine Physis gegen Verteidiger auf allen Leveln durchzusetzen.

Doch Achtung ist geboten, denn trotz dieser außerweltlichen Zahlen ist er alles andere als ein sicherer Superstar. Seine Zeiten in 3-Cone und Short Shuttle, die die Richtungsänderung und Beweglichkeit messen, sind einfach grauenhaft, sogar für jemanden seiner Größe. Dies deutet darauf hin, dass es der unerfahrene Routenläufer - sein College hat ein „einfaches“ System, in dem er nicht viele verschiedene Routen lief - in diesem Aspekt nie zur Meisterschaft bringen wird, auch wenn seine guten Releases ihm beim Maskieren dieser Schwäche helfen. Metcalf muss außerdem seine Hände verbessern, er ist kein „natürlicher“ Handscatcher und hat zu viele Drops, wovon einige auf das Konto von Fokusproblemen gehen, die sich ab und zu auch sonst zeigen. Sein Blocking braucht noch Training und hinzu kommt eine relativ hohe Verletzungsanfälligkeit.

Auf der positiven Seite versteht er es mit dem Ball in den Händen hervorragend, wie er seine unglaubliche Geschwindigkeit einsetzen kann um Verteidiger in schlechte Winkel und Positionen zu bringen, sodass ein Tackle unmöglich wird und er immer eine Gefahr darstellt.

Zusammengefasst ist Metcalf eine physische Ausnahmeerscheinung, auf dessen Potential man guten Gewissens nach den Top 10 wetten kann. Allerdings muss man die negativen Seiten seines Spiels im Kopf behalten, bevor man ihn als den nächsten Julio Jones bezeichnet, von dem er noch Welten entfernt ist.

2. Marquise "Hollywood" Brown - Oklahoma

Das offensichtliche Problem von „Hollywood“ Brown ist seine Größe. Auf seinen nur 5'9" trägt er keine 80 kg; gefährlich wenig für einen Spieler, der teilweise von 1,5mal so schweren Gegnern Tackles einstecken wird. Das andere große Problem sind seine Hände. Nicht dass er den Ball besonders oft nicht fangen kann, er macht mit seiner Auge-Hand-Koordination einen überdurchschnittlichen Job. Jedoch scheint es ihm an Stärke in den Händen zu mangeln, was zum Verlust des Balles mit und ohne Fremdeinwirkung führen kann, nachdem er diesen schon sicher geglaubt hat.

Doch mit Ausnahme dieser Mankos kann die Show beginnen und sein elektrisierender Spielstil basiert auf seinem größten Trumpf: Geschwindigkeit. Nicht nur besitzt „Hollywood“ einen unwiderstehlichen Antritt, sondern er hat auf der Spitze der Route noch einen Gang extra, um sich spät auch von schnellen Gegnern abzusetzen. Seine herausragende Körperkontrolle sowie sein gutes Balltracking erlauben ihm Catches mit wenig Platz an der Seitenlinie. Er ist, wie man es bei seinen Maßen erwartet, unglaublich agil und nutzt dies zu seinem Vorteil. Seine Routen und seine Releases sind detailliert und zeigen sein Verständnis im Manipulieren von Verteidigern.

Brown ist ein spektakulärer Deep-Threat-Receiver, der mit den Händen am Ball kreieren kann. Die positiven Aspekte seines Spiels erinnern stark an DeSean Jackson oder an einen Odell Beckham mit schwächeren Händen, die negativen Aspekte bringen John Ross Flashbacks. Die Wette auf Ersteres würden wir im letzten Viertel der ersten Runde eingehen.

3. Riley Ridley - Georgia

Riley ist der jüngere Bruder von letztjährigem Erstrundenpick Calvin, besuchte aber nicht das gleiche College und ist auch ein anderer Spielertyp. Er ist größer und stärker als sein Bruder, jedoch auch langsamer und seine Combine-Leistung war insgesamt enttäuschend. Doch seine Geschwindigkeit auf dem Feld ist mehr als ausreichend und davon abgesehen hat er alles, was man sich wünschen kann. Calvin war der beste Routenläufer im Draft letztes Jahr - und Riley ist besser.

Er beherrscht viele Releases und weiß sie im rechten Augenblick einzusetzen, um seine Gegner zu überraschen. Wenn er einen DB nicht direkt am Snap schlägt, dann schlägt er ihn wahrscheinlich in der Route, denn als wären seine großartigen Cuts nicht genug, greift er auch noch immer mit einem Plan an und versteht es, Leverage, Blindspots und Aufstellung seines Gegenübers zu seinem Vorteil zu nutzen. Zusätzlich zu seiner herausragenden Körperkontrolle besitzt er großartige Hände und einen großen Fangradius, lässt den Ball jedoch ab und an fallen; klassische Konzentrationsdrops. Wenn er ihn in den Händen hat holt Ridley immer mehr heraus, mit seiner Agilität lässt er Tackler leicht aussteigen und wenn ihm diese Option genommen ist, muss der Gegner in seinem Weg bezahlen, denn Riley will immer Extrayards durch den Verteidiger machen. Jedoch ist er kein Homerun-Threat. Diese Toughness zeigt sich auch im Blocken, wo sein Einsatz meistens und seine Technik oft stimmt.

Wieso ist er nach dieser Lobeshymne auf Platz 3? Weil ihm die Upside fehlt. Riley Ridley ist ein hervorragender Z-Receiver (Nummer 2) der auch in der Slot spielen und in allen Formationen am Feld stehen kann. Er stellt für Teams, die seine physischen Defizite in Kauf nehmen, ein sehr geringes Risiko dar.

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4. Deebo Samuel - South Carolina

Samuel ist ein schwieriger Fall, denn sein College hatte ein unglaublich eindimensionales Offensivsystem, indem er nur wenige Routen laufen durfte.

Dabei ist das individuelle Routenlaufen seine größte Stärke, wie er im Allstar-Event Senior Bowl bewiesen hat, bei dem ihn kein Verteidiger auch nur ansatzweise decken konnte. Sein Antritt ist spitze, seine Endgeschwindigkeit groß genug, um eine tiefe Gefahr darzustellen und seine Agilität ist wohl seine beste physische Eigenschaft. Er ist nicht groß und hat eher den Körper eines Runningbacks als den eines Receivers, allerdings besitzt er lange Arme und große Hände und erinnert in Zahlen wie in Optik an den letztjährigen Erstrundenpick DJ Moore, mit dem er sich auch seine inkonstanten Hände teilt: Er wird einen einfachen Ball fallen lassen, nur um im nächsten Play einen spektakulären One-Hander zu landen. Dabei hilft ihm seine gute Positionierung zum Ball, den er immer vom nächsten Verteidiger abschirmt. Mit dem Panthers-Receiver teilt er sich außerdem die Big Play-Gefahr wann immer er das Spielgerät in die Hände bekommt, egal ob als Läufer nach dem Jetsweep, Receiver nach dem Catch oder als Returner. Er muss ein aggressiverer und technisch sauberer Blocker werden. Einige Verletzungen werfen Fragen über seine Langlebigkeit auf.

Samuel ist eine Waffe für jedes Team, das ihn bekommt, wobei beide Seiten von einer vielfältigen Nutzung des vielseitigen Receivers profitieren würden. Nicht nur einer der besten Wide- und Slotreceiver des Drafts, sondern auch einer der besten Returner.

5. J.J. Arcega-Whiteside - Stanford

Die große, offensichtliche Stärke von Arcega-Whiteside ist seine schiere Größe; zu seinen 6'2" kommen sehr lange Arme. Er nutz seinen Fangradius gnadenlos aus und ist als überragender Jumpball- und Backshoulder Receiver eine Gefahr in der Endzone.

Die starken Hände, die er dort zeigt, verlassen ihn leider manchmal im Feld, und er ist anfälliger für leichte Drops als man es sich wünscht, doch seine herausragende Körperkontrolle setzt er überall auf dem Feld ein. Er zeigt teilweise hervorragende Releases und Routen, muss diese jedoch konstanter bringen. Helfen wird ihm dabei sein Spielverständnis. Er weiß genau wie er sein Gegenüber manipulieren und in schlechte Positionen bringen kann. Nach dem Catch ist er nicht so physisch wie man bei seinem Gewicht meinen würde, aber er ist beweglich genug, um Verteidiger aussteigen zu lassen. Er hat keine elitäre Endgeschwindigkeit, doch genug davon, um von Verteidigern in diesem Aspekt ernst genommen zu werden.

JJ ist ein intelligenter, in seiner Entwicklung weit fortgeschrittener Outside Receiver, der ein Team in der Redzone sofort verbessern kann. Wenn er die Konstanz seiner technischen Stärken erhöht, hat er die Chance, ein herausragender Receiver zu werden.