Houston Texans @ Kansas City Chiefs - 31:51

09.01.2020, 05:34 Uhr P.L. Reviews

Was für ein Spektakel! Die favorisierten Chiefs empfingen im Arrow Head Stadium die letzte Woche siegreichen Texans. Die Fans konnten schon nach wenigen Spielminuten ihren Augen wohl kaum trauen. Überraschungen, Offensivfeuerwerke, Rekorde - das Spiel hatte einiges zu bieten!

Eine komische Diskrepanz, denn einerseits kann man kaum in Worte fassen, was alles passiert ist, aber andererseits ist es unheimlich schwer, sich kurz zu fassen. Nun denn, wir versuchen es!

Die Gäste aus Texas bekamen als erstes den Ball und traten von Beginn an selbstbewusst auf. So dauerte es nur sechs Spielzüge bis QB Deshaun Watson den völlig blankstehenden WR Kenny Stills für einen 54-Yard Touchdownpass fand. Und mit völlig blank meinen wir das genau so, denn besonders CB Charvarius Ward reagierte nur auf eine kurze Passroute, wodurch Stills schon 45 Yards vorm Ziel nicht einen einzigen Verteidiger in der Nähe hatte. Schnelle 7:0 Führung also für Houston. Auch die Defense war direkt am Start und forcierte ein 3&Out der Chiefs, doch damit nicht genug: LB Barkevious Mingo blockte den Punt und CB Lonnie Johnson Jr. trug das Ei für knapp 10 Yards zurück in die Endzone. Zwei Touchdowns in 1:53 Minuten - nicht schlecht für einen Außenseiter! Nach einem weiteren Punt der Gastgeber mussten auch die Texans den Ball wegschießen, doch erneut konnten sich die Special Teams in Szene setzen. Returner WR Tyreek Hill fumblete den Ball beim Versuch ihn zu fangen und CB Keion Crossen sicherte ihn an der 6-Yard Line, von wo aus Watson leichtes Spiel hatte. Ein Pass auf TE Darren Fells besorgte die 21:0 Führung, unglaublich, was hier passierte! QB Patrick Mahomes, der in seiner Karriere noch nie einem so großen Rückstand hinterherlaufen musste, gelang nach vielen Drops seiner Receiver erneut kein erster Versuch. Auch das Publikum ließ die Spieler nun deutlich seine Meinung von dem bisherigen Verlauf spüren, und während des nächsten Drives von Houston begann das zweite Viertel.

Und erneut sollten die Texans zuerst punkten, allerdings nur dreifach, denn diesmal stand die Defense in der Redzone stabil, so dass K Ka'Imi Fairbairn zu seinem einzigen FIeld Goal des Abends kam. Zwischenstand: 24:0. Wie oft hört man solche Sätze wie: "ja, das kann sich im Football alles ganz schnell drehen..." Wer das nur für Sprüche hält kann sich in aller Ruhe mal das zweite Viertel dieses Spiels ansehen, denn plötzlich kamen die Chiefs zurück! Vom Kickoff nach dem Field Goal weg war die Mannschaft plötzlich da. WR Mecole Hardman returnierte den Ball bis in des Gegners Hälfte, TE Travis Kelce fing einen Pass für 25 Yards und RB Damien Williams fing einen für 17 Yards in der Endzone. Zack, so schnell kann ein Drive gehen, und auch die Defense hielt und forcierte ihrerseits ein 3&Out, allerdings versuchten die Texaner einen Fake-Punt über S Justin Reid, dessen Lauf aber grandios von Chiefs-S Daniel Sorensen gelesen und geblockt wurde. So kam Mahomes erneut tief in Texans Territory in Ballbesitz und landete dank DPI von Johnson Jr. direkt an der 5-Yard Line, von wo aus er Kelce zum 24:14 Anschluss bediente. Was Houston in 1:53 Minuten vollbrachten gelang den Chiefs in 1:50 Minuten. Wie ein Spiegelbild fumbleten nun die Texans beim Kickreturn in Peson von WR DeAndre Carter nach starkem Doppel-Tackle von Sorensen und DB Alex Brown den Ball, der von RB Darwin Thompson aufgenommen und einige Yards zurückgetragen werden konnte - und die Gastgeber standen schon wieder an der 6-Yard Line. Also wieder das gleiche Spiel: Mahomes - Kelce - Touchdown - das Stadion bebte! Die Offense und Defense der Texans war nun völlig von der Rolle und die Chiefs wollten noch mehr. Während die Gäste erneut punten mussten und diesmal keines der Special Teams für Furore sorgen konnte sahen wir den ersten "richtigen" Drive der Chiefs. Mahomes scramblete selbst zwei Mal für insgesamt 35 Yards, profitierte erneut von einer DPI von Johnson Jr. und warf auch erneut einen 5-Yard Touchdownpass auf Kelce. 28:24 Chiefs, unfassbar! Vier Touchdown-Pässe in einem Viertel gelangen noch niemandem in einem Postseason Game - Mahomes gelang es nach Woche 2 gegen Oakland zum zweiten Mal in dieser Saison. Houston versuchte nochmal zu antworten, doch ein Field Goal über 51 Yards flog deutlich daneben. Dann war Pause.

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Nachdem man etwas Luft holen konnte erhielten die Hausherren zu Beginn des dritten Viertels den Ball, und besonders an einer unglaublich dominanten Körpersprache sah man, dass sich die Chiefs das hier nicht mehr nehmen lassen wollten. WR Sammy Watkins wurde direkt für 48 Yards bedient, Mahomes rushte mal wieder einige Yards und Williams drückte das Spielgerät aus einem Yard in die Endzone. Da der Extrapunkt aber verschossen wurde stand eine 10-Punkte Führung zu Buche. Die Texans hatten sich aber nach unfassbar starkem ersten Viertel und desaströsem zweiten Spielabschnitt auch viel vorgenommen, und womit startet man dann am besten? Natürlich: ein 3&Out durfte es sein. KC hingegen wurde nicht müde und durfte erneut in der Endzone feiern. Viele gute und kurze Plays sowie eine erneute DPI gegen die Gäste spülten Mahomes und Co. weit nach vorne, sodass Williams zu seinem zweiten Touchdownrun des Spiels aus 5 Yards rennen konnte. Doch nun kamen auch Watson und seine Offense wieder im Spiel an. Zum ersten Mal seit einer gefühlten Ewigkeit, Beginn des zweiten Viertels um genau zu sein, erreichten sie dank Stills und WR DeAndre Hopkins überhaupt mal wieder die gegnerische Hälfte. Auch der zurückgekerhte WR Will Fuller sorgte mit einer 39-Yard Reception für Aufsehen, sodass Watson selbst auf 5 Yards in die Endzone laufen konnte. Sollte der Spieß etwa erneut komplett umgedreht werden?

Wohl kaum, denn während der letzte Abschnitt begann ließen die Chiefs ihre Muskeln spielen. Kelce für 23 Yards, Watkins für 28 Yards, und TE Blake Bell, der eigentlich so gut wie nur fürs Blocken zuständig ist, für einen 8-Yard Touchdown, schraubten die Führung wieder auf 17 Punkte hoch. Wahnsinn, sieben Touchdowns in sieben Drives in Folge, in einem Divisional Playoffspiel, nach 24:0 Rückstand. Wow! So mussten die Texans in den verbleibenden Minuten alles versuchen, um noch eine Chance zu haben, doch in ihren drei Drives mussten sie jeweils bei einem missglückten vierten Versuch den Ball on Downs wieder hergeben, während die Chiefs schon feierten und mit einem Field Goal aus 24 Yards von K Harrison Butker das Ergebnis besiegelten. Daraufhin mussten sie zum ersten Mal seit dem ersten Viertel wieder punten, doch das wird die Laune wohl nur minder trüben.

Fazit

Tja, was soll man dazu nun noch sagen? Nach einem Rückstand von 24 Punkten gewinnen die Kansas City Chiefs zu Hause noch mit 51:31 gegen die Houston Texans. Nach furiosem Beginn und einer durchaus verdienten Führung verloren sie komplett den Faden. Am Anfang waren sie noch in allen Belangen, offensiv, defensiv, ST, besser als die Chiefs, doch die fanden mit HC Andy Reid einen Weg, ihrem Gegner die Butter vom Brot zu nehmen. Mit diesem Momentum zu Beginn des zweiten Viertels kamen die Gäste nicht klar und die Gastgeber ritten auf einer Welle der Motivation, die ihres Gleichen sucht. Es war für den neutralen Zuschauer sicher eines der besten Divisional Round Matchups aller Zeiten, lediglich die Texans-Fans sehen das vielleicht etwas anders (sorry...). Nun empfangen die Chiefs kommendes Wochenende die extrem unangenehmen Tennessee Titans zur Championship Round. Wir dürfen gespannt sein!

Player of the Game: QB Patrick Mahomes - Kansas City Chiefs: 23/35 | 321 Yards | 5 TD | 4 Car | 56 Yards | 134,6 PR