Houston Texans @ New England Patriots - 16:34

06.02.2017, 04:08 Uhr J.B. Reviews

Es wurde von vielen als eine eindeutige Angelegenheit prognostiziert und es stand im Vorhinein lange die Frage im Raum, wie deutlich es die Houston Texans treffen wird. Zwar ist das Ergebnis am Ende dann standesgemäß zu Gunsten der Hausherren ausgefallen, aber die Texans „came to play“, wie der Amerikaner sagen würde. Leider verspürte diesen Kampfgeist nur die Defensivabteilung, während offensiv einfach mal wieder überhaupt nichts klickte; zum Vorteil für die Patriots. Aber der Reihe nach:

Das Spiel begann mit einem kurzen Abklatsch von drei Three and Outs, ehe New England das zweite Mal an den Ball kam. Dank einer Strafe gegen die Texans und einem starken Pass auf WR Chris Hogan kam der erste Touchdown über RB Dion Lewis. Nach einem weiteren Three and Out für die Texans verpasste sich New England eine erste eigene Watschen mit einem unnötigen Penalty durch CB Eric Rowe, der einen Spieler aus einem riesigen Fleischhaufen ziehen wollte. Houston kam aufs Board mit einem Field Goal... und schon waren es mehr Punkte als in Woche 3. Der Folgedrive hätte eigentlich bereits der Knockout sein können. Dion Lewis raste als Kick Returner den Ball über 98 Yards zurück in die Endzone der Gäste und schon stand es 14:3. Es folgte ein weiteres schnelles Aus für die schwache Houston "O". Dann erlaubte sich New England aber unvorhersehbare Schludrigkeiten. Sie scheinen doch menschlich. Einen Tip-Pass fing CB A.J. Bouye für die erst dritte Interception von QB Tom Brady in dieser Saison - es resultierte das nächste Field Goal. Den folgenden Kickoff fumblete dann Lewis und schon hatten wir ein Ballgame. QB Brock Osweiler fand nach einem schönen Trick Play seinen TE C.J. Fiedorowicz. Leider eines der wenigen Plays, die in der Offensive für Aufsehen sorgten. Es folgten bis zur Halbzeit zahlreiche Punts und verfehlte Chancen. Generell war über das gesamte Spiel in Halbzeit eins eher Zufallsprodukte und Fehler die Grundlagen für Punkte. Brady stand das gesamte Spiel gehörig unter Druck, besonders die OLB Whitney Mercilus und Jadeveon Clowney spielten auf ihrem höchsten Level, wenn auch teilweise an der Grenze des Erlaubten. Ein Field Goal durch K Stephen Gostkowski stellte die Halbzeitführung von 17:13 auf. Deutlich weniger als von vielen erwartet.

Zu Beginn der zweiten Hälfte setzte sich das „Sloppy Play“ auf beiden Seiten zunächst fort. Aber dann blitzte das Können der Patriots auf. Über 90 Yards spielte Brady endlich mal an diesem Abend einen Drive zuende. Mit „Go-to-Guy“ WR Julian Edelman klickte die Offensive, vollendet durch einen sehenswerten Touchdownpass auf RB James White. Es folgte aber erneut eine offensive Ernüchterungsphase beider Seiten. Zu Osweiler bleibt wirklich nur noch zu sagen, dass er einfach seinen horrenden Vertrag nicht verdient hat. Viele unkontrollierte Pässe, mangelnde Übersicht und keine Selbstsicherheit in der Pocket zeichneten sein Spiel leider erneut aus. Zwar kreierten die Texans wie von HC Bill O'Brien gefordert die Turnover der Patriots, schlugen aber trotz 13 Punkten noch zu wenig dabei raus. Osweiler selbst ließ einen Pick im nächsten Drive folgen. Dem gesellte sich Brady nach einem erneuten Tip-Pass Ende des dritten Viertels hinzu. In der ganzen regulären Saison mit zwei eigenen Ballverlusten, knackte er diese Marke schon im ersten Playoff-Spiel. Nach einem Field Goal der Texans – wieder zu wenig nach einem Turnover und guter Feldposition – setzten die Hausherren den Deckel auf ein Spiel, worüber in den Tagen bis zum AFC Championship Game zu reden sein wird. CB Logan Ryan spielte, wie die gesamte Defensive der Patriots, eine solide und gute Defense. Ihm gebührte der zweite Pick von Osweiler, woraus der dritte Touchdown von Lewis resultierte. Drei verschiedene Wege zu scoren in einem Spiel bedeuteten den Franchise Rekord für den pfeilschnellen Runningback, der neben seiner starken Performance aber auch zweimal fumblete.

Ein Comeback der Texans unter diesem Quarterback? Nein, heute nicht. Zuviel Zeit brauchte man für die Plays und letzten Endes beendete einer der wohl größten Fehleinkäufe der jüngeren Geschichte das Spiel mit einer weiteren Interception. Brady ging aufs Knie und die Patriots erleben ihr sechstes Finalspiel der AFC in Folge.

Dass sie diesen Rekord nicht feiern wollten, merkte man nach dem Spiel. Es kam keine große Freude auf, eher schlichte Anerkennung ob eines Sieges. Denn man muss es sehen wie es ist: Wäre die starke Defensive der Texans mit einem guten Quarterback und daraus resultierenden Plays gesegnet, hätte der gestrige Abend das Ende der Träume vom fünften Ring bedeuten können. So ist es für New England wohl „nur“ ein Hallo-Wach-Moment zur richtigen Zeit. Egal ob Steelers oder Chiefs, für den Super Bowl muss sich die Mannschaft von HC Bill Belichick steigern. Wir können davon ausgehen, dass der legendäre Coach die richtigen Worte finden wird.

Am Rande bleibt noch zu erwähnen, dass gestern DT Vince Wilfork sein letztes Spiel im ehemaligen Wohnzimmer erlebte. Er ging vor dem letzten Play unter stehenden Ovationen vom Feld und geht als sympathischer, starker Fleischklops in die Geschichte und vielleicht die Hall of Fame ein - ein Charakter, den man nur mögen kann.

Player of the Game: RB Dion Lewis - New England Patriots: 13 Car | 41 Yds | 1 TD | 2 Rec | 23 Yds | 1 TD | 98 Yds KR-TD