New England Patriots @ Atlanta Falcons - 34:28 OT

06.02.2017, 04:31 Uhr J.B. Reviews

Das war er also, der Super Bowl LI aus dem NRG Stadium von Houston, Texas. Es sollte eine in allen Belangen historische 51. Ausgabe des größten Einzelsportereignisses der Welt werden.

Wir fangen ganz nüchtern an: Atlanta gewann den von Ex-Präsident George H.W. Bush ausgeführten Coin Toss und entschied sich für Ballbesitz in Halbzeit zwei.

Die Patriots starteten mit zwei Pässen in die Partie, was ihnen nichts brachte, da RB LeGarrette Blount bei 3rd&1 kein neues First Down erreichte. Also Three and Out für Brady und Co., was die gefährliche Offense der Falcons auf den Plan brachte, die das auch direkt mit dem ersten Spielzug bewies. RB Devonta Freeman erhielt den Ball, lief zunächst nach links und dann up field, brach einen Tackle und konnte erst nach 37 Yards gestoppt werden. Nach einem Sack an QB Matt Ryan war dann aber drei Plays später auch für Atlanta erstmal Schicht im Schacht.

Die Pats hatten scheinbar den Gameplan die Falcons mit Pässen in Verlegenheit zu bringen, was nach 4/4 Pässen im zweiten Drive auch gut funktionierte, bis auch hier die ersten beiden Sacks Atlantas Punkte verhinderten. Selbes Bild dann wieder auf der anderen Seite. RB Tevin Coleman sorgte direkt für einen vielversprechenden Lauf, ein paar kurze Plays später war es der zweite Sack an Ryan, der wieder keinen erfolgreichen Drive zuließ. Bis hierhin hatten die beiden Verteidigungsreihen überraschend das Spiel im Griff.

Kurz darauf ging das erste Viertel punktelos zu Ende. Gerade sah es im zweiten Quarter aus, als sollte sich das nach einem guten Drive der Patriots mit schönen Pässen von Brady zumeist auf WR Julian Edelman ändern, als der bis hierhin bärenstarke Rookie-MLB Deion Jones LeGarrette Blount bei einem Run durch die Mitte das Ei aus dem Arm schlug und die aggressive Falcons „D“ dieses sichern konnte. Wir hatten also den ersten Turnover und „Matty Ice“ wieder auf dem Turf.

Und dann ging es rund... Zum ersten Mal klappte die Verbindung mit dem besten WR dieser Saison, Julio Jones, der 42 Yards bei zwei Pässen fing und Devonta Freeman legte in zwei darauffolgenden Runs nochmal 24 Yards drauf. Schon klopften die Falcons an die Endzone der Patriots und schwupps, starker Cut und Freeman zum Dritten für den ersten Touchdown des Super Bowls nach gut 17,5 Minuten.

Nun war es an New England zu kommen, die sich in einer neuen Situation befanden. Denn in der ganzen Saison sahen sie sich seltenst im Hintertreffen. Doch auch im nächsten, dem vierten Drive war nach drei Versuchen sofort wieder Schluss. Die extrem junge Falcons Verteidigung machte bis dato einen starken, fehlerfreien Job sowohl in Front Seven wie auch in der Secondary.

Für die Defensive Unit der Patriots galt das bisher nicht. Wieder brauchte Ryan nur zwei Pässe und starke Catches seiner WR Taylor Gabriel und Julio Jones, um seine Farben bis zur 20-Yard Linie New Englands zu führen. Dieses Mal blieben sie auch in der Redzone bei Pässen und auch das hatte Erfolg. Rookie-TE Austin Hooker veredelte einen Pass von Ryan, der bis hierhin ein perfektes Passer Rating von 158.3 hatte, in der Endzone zur 14:0 Führung. In ihren sieben gemeinsamen Super Bowls lagen Brady und Belichick noch nie so hoch zurück. Erschreckend war vorallem wie leicht es den Falcons gemacht wurde. Für beide Touchdown Drives brauchten sie nur fünf Plays und 1:50 Minuten um 71 und 62 Yards zu überbrücken.

Gleich drei Holding Penalties gegen die Falcons Defense ermöglichten es New Englands Offense endlich einmal wieder den Ball etwas länger zu halten und über die Mittellinie zu kommen. Es ging sogar bis zur 23-Yard Linie und erneut sah es nach den ersten Patriots Punkten aus bis TB12 ein kapitaler Schnitzer unterlief. Er warf einen Ball statt zu seinem Receiver in die Arme von CB Robert Alford, der danach auf und davon war und das Ei 82 Yards in die Endzone New Englands zurücktrug. Pick Six, 21:0 Falcons. Wow! Übrigens der erste Pick Six von Brady im 34. Postseason Spiel.

Immerhin, trotz einiger Schwächen beim Wurf reichte es in den letzten Minute der ersten Hälfte doch noch zu den ersten Punkten für New England. Es waren allerdings nur drei durch Kicker Stephen Gostkowski, obwohl die Chancen auf den Touchdown da waren. Spätestens ein Offensive Holding von TE Martellus Bennett machte die Hoffnung auf sieben Punkte aber zunichte. So ging es mit 21:3 aus Sicht der Falcons in die Pause… und Ryan hatte immer noch ein perfektes Passer Rating. Zu allem Übel für New England bekam Atlanta auch noch den Ball. Den Pats blieb bei diesem Spielstand quasi gar nichts übrig als mit Blitzes und einem aggressiveren Pass Rush mehr Druck auf Matt Ryan auszuüben, um ihn endlich aus dem Rhythmus zu bekommen.

Nach der diplomatischen aber wenig außergewöhnlichen Halftime Show „der Gaga“, die überraschenderweise ohne Bruno Mars oder Beyonce auskam, ging es also weiter mit dem Football und, man höre und staune, mit einem Three and Out der Falcons, sowie einem schönen Return von Julian Edelman bis an die Mittellinie. Kurzes Feld also für Tom Brady, doch anstatt nach vorne ging es nach drei Versuchen zwei Yards zurück. Wieder musste also P Ryan Allen das Ding gen Falcons Endzone punten

In der Patriots Verteidigung stimmte weiterhin einiges nicht. CB Malcolm Butler stolperte, was Ryan eine leichte Completion über 35 Yards zu WR Taylor Gabriel ermöglichte. Eine Pass Interference auch hier von Butler brachte Atlanta drei neue Versuche fünf Yards vor der Endzone. Dass das für diese Offense natürlich kein Problem ist, braucht hier wohl kaum erwähnt werden. Coleman löste sich aus dem Backfield, wurde an der rechten Seite bedient und lief ohne sonderliche Mühe ins Glück. Es roch nicht wirklich nach Spannung in Houston, denn die Führung Atlantas betrug mittlerweile 25 Punkte.

New England versuchte es in der Folge vermehrt mit Läufen über Dion Lewis und sogar einem Lateral Trickspielzug. Dennoch stand schon wieder die böse Vier vorne bei den Downs. Sie mussten es riskieren und schafften es auch den Drive am Leben zu halten. Brady lief daraufhin sogar selbst zu einem neuen First Down bis an die Redzone Grenze. Es waren noch 17:06 Minuten zu spielen als den Pats ihr erster Touchdown des Spiels gelang. RB James White wurde von seinem Quarterback bedient und nach einem Hechtsprung standen endlich sieben weitere Punkte auf dem Scoreboard. Ach nee, doch nicht. Denn der letzte Saison noch so sichere Kicker Gostkowski verfehlte seinen fünften Extrapunkt Versuch in dieser Spielzeit. Also 28:9 für die Falcons.

Langsam machte sich Verzweiflung breit bzw. musste nun auch alles auf Seiten der Mannen aus Foxborough riskiert werden. Der Versuch eines Onside Kicks funktionierte aber auch nicht. Atlanta bekam den Ball an New Englands 41-Yard Linie, konnte aber von der Defense endlich gestoppt werden.

Nach dem Punt ging es für Brady, Edelman, Hogan und Co. zu Beginn des letzten Abschnitts an der eigenen 13 los. Es blieb jetzt natürlich keine Zeit mehr für großartiges Laufspiel. Bradys Arm musste es also richten. Das klappte bis Atlantas 12-Yard Linie auch gut, doch dann schlug DT Grady Jarrett mit zwei Sacks zu. Der Touchdown war wieder außer Reichweite, sodass Gostkowski den Rückstand auf 16 Punkte minimal schmelzen ließ.

Was dann jedoch passierte, weiß wohl auch Stunden später immer noch keiner so wirklich. Denn es wurde plötzlich laut im weiten Rund des NRG Stadiums. Matt Ryan übersah den auf ihn zustürmenden MLB Dont’a Hightower und verlor den Ball, der von DT Alan Branch recovered wurde. Kam doch noch einmal Spannug auf?

Jaaaaaaaaaa! Denn Brady fand WR Danny Amendola zum Touchdown und auch die anschließende 2-Pt Conversion gelang. Mit knapp unter sechs Minuten war es plötzlich nur noch ein One-Score Game. Acht Punkte lagen die Falcons noch in Front, von denen langsam wieder was kommen musste.

Julio Jones zeigte dann, dass er nicht umsonst der beste Receiver der Liga ist. Was der da wieder für einen unmöglichen Ball an der Sideline fing, war einfach nur unglaublich. Atlanta war also schon wieder kurz vor der Redzone angelangt, musste aber einen Sack und eine Holding Strafe einstecken, die sie 17 Yards nach hinten aus der Field Goal Range raustrieben. Der folgende Pass war incomplete, sodass nun das folgte, was jeder neutrale Fan herbeisehnt. Crunch Time bei noch dreieinhalb Minuten auf der Uhr.

Und spätestens als Julian Edelman einen abgefälschten Pass dank perfekter Konzentration irgendwie noch vor dem Boden fangen konnte, war allen klar, dass hier noch nichts entschieden war. Zur Two-Minute Warning klopften die Patriots bereits an, standen nur noch 21 Yards entfernt. Eine Minute später war der Touchdown erzielt. RB James White trug das Ei den noch verbleibenden Yard in die Endzone. Wieder 2-Pt Conversion… und wieder gelang es Brady die richtige Entscheidung zu treffen, indem er Amendola bediente, der es knapp über die Linie schaffte. Gostkowski werden da einige Steine vom Herzen gefallen sein. Kaum zu glauben aber wahr, es stand 28:28 Unentschieden.

Noch war die Spielzeit nicht vorbei. 52 Sekunden blieben den Falcons noch. Allerdings ohne Timeouts, sodass es zu keinem Comeback mehr reichte.

Es ging also in die erste Verlängerung in der Geschichte des Super Bowls. Die Regel besagt hier, dass ein Touchdown das Spiel beendet. Entsprechend wichtig war also der erneute Münzwurf, den - wie konnte es nach diesem Lauf anders sein - die Patriots gewannen und den Ball bekamen.

Denen, bzw. Tom Brady gelang jetzt plötzlich alles. Nicht einmal sahen sich die Patriots einem 3rd Down gegenüber: White, Amendola, Hogan, White, Edelman, White hießen die Stationen bis an die 2-Yard Linie Atlantas. Matt Ryan stand draußen und musste fassungslos mit ansehen, wie ihm der sichergeglaubte Titel aus den Händen gerissen wurde. Bevor das wirklich geschah, gab es noch einen kurzen Aufreger. Ganz in Pete Carroll Manier versuchten es die Patriots mit einem Pass in die Endzone auf TE Martellus Bennett. War ja nicht so, als wäre das nicht schonmal in einem Super Bowl in die Hose gegangen^^ Auch dieses Mal misslang der Versuch und der sonst eher unauffällige OLB Vic Beasley bekam seine Hände leicht an den Ball, konnte diesen aber nicht abfangen.

Im zweiten Versuch durfte RB James White es dann auf die altbewehrte Art versuchen. Mit einem letzten Push bugsierte er das Ei ins Glück.

Die Patriots sind Champions, zum fünften Mal. Und das obwohl sie gut 17 Minuten vor dem Ende noch mit 25 Punkten zurücklagen. Zuvor hatte nie ein Team nach einem zehn Punkte Rückstand noch den Super Bowl gewinnen können. New England machte heute einen 25-Punkte-Rückstand wett. Solche Geschichten schreibt eben nur dieser geile Sport.

Apropos, Geschichte: Tom Brady ist nun der Quarterback mit den meisten Super Bowl Ringen (5). Außerdem stellte er mit 62 Passversuchen und 466 Yards zwei Rekorde auf und wurde zum vierten Mal zum MVP des Endspiels gewählt. Man bedenke, dass er zweieinhalb Quarter alles andere als seine gewohnt sichere und gute Leistung auf den Turf brachte… bis es scheinbar irgendwann „klick“ machte.

Dennoch gebührt auch den Falcons großen Respekt für ihre Leistung in der gesamten Saison und besonders der Postseason bis etwa 20 Minuten vor deren Ende. Sie können einem nur leidtun und es wird sicher dauern, bis Spieler, Coaches, Fans und das gesamte Umfeld dieses unglaubliche Drama verkraftet haben.

Zum Abschluss verabschieden wir uns mit herzlichsten Glückwünschen eines am Ende verdienten Champions, weil er eben nie aufgegeben hat.

Wir können die kommende Saison nach dem geilsten, spannendsten, verrücktesten, besten, … Super Bowl aller Zeiten schon jetzt kaum erwarten.

Super Bowl MVP: QB Tom Brady - New England Patriots: 43/62 | 466 Yds | 2 TD | 1 Int | 1 Car | 15 Yds