New England Patriots @ Baltimore Ravens - 20:37

31.10.2019, 03:58 Uhr P.L. Reviews

Was hat man nicht alles zu den Patriots gehört. Von einer Defense, die bereits zu den besten aller Zeiten erklärt wurde. Vom einfachsten Schedule aller Zeiten. Von einer fast schon sicheren Teilnahme am vierten Super Bowl in Folge. Dieses Spiel war die Chance, es allen zu zeigen: ja, die Defense ist die beste aller Zeiten. Der Schedule erschien nur so leicht, weil die Patiots alle Gegner so mühelos dominierten. Und die Vince Lombardi Throphy konnte man eigentlich schon einpacken und an Robert Kraft senden. Denn die Ravens konnte nun wirklich niemand mehr als schwachen Gegner bezeichnen. Die Bills? Haben bisher auch nur schlechte Gegner geschlagen. Die Browns? Weit weg von dem Level, auf dem man sie erwartet hätte. Aber Baltimore steht auf Platz 1 der AFC South, hat gute Gegner geschlagen und einen richtig gut aufgelegten QB in seinen Reihen, den der ein oder andere auch außerhalb Marylands als MVP-Kandidaten sieht. Ein großes Spiel, eine große Chance- sowas ist normalerweise genau das, worauf Brady und Belichick warten, um es allen zu zeigen. Doch diesmal? Ging es schief.

Es ging an diesem Abend schon nicht gut los. Die zurecht so hoch gelobte Defense der Patriots. Mit kurzen Läufen und Pässen in gutem Mix marschierten die Ravens über das ganze Feld bis an die 5 Yard-Line der Gäste. Da wurden sie dann gestoppt und wollten ein Field Goal schießen. Doch LB Shilique Calhoun sprang in die neutrale Zone und kassierte dafür eine Flagge, die den Hausherren einen neuen ersten Versuch schenkte. Das dürfte Bill "Grumpy Cat" wohl eher nicht gefallen haben. Erst recht nicht, weil Lamar Jackson bei einem Zone-Read-Play dann den Ball behielt und ungestört in die Endzone spazierte. Auch die Offense um Tom Brady legte schlecht los, im ersten Drive gab es keinen neuen ersten Versuch. Die Ravens machten es danach erneut besser und kamen wieder in die Hälfte der Patriots, die sie aber an der 21 stoppten. Das Field Goal aus 39 Yards war gut. Nachdem die Patriots erneut nichts zustande bekamen, zeigte Mark Ingram, dass man diese "D" auch für Big Plays schlagen kann und rannte 53 Yards weit quer durch diese durch. Noch ein Punt nach 3 Plays von Brady und Co. und man dachte schon, dass dieser Abend ein langweiliger werden könnte. Cyrus Jones aber verhinderte das unfreiwillig und liess den Punt durch die Finger rutschen, Justin Bethel schmiss sich auf das Ei und Brady durfte nochmal ran. Und endlich ging es vorwärts für ihn und seine Offense und dann sogar bis in die Endzone. Der erst kürzlich verpflichtete Ex-Falcon Mo Sanu übernahm das aus 4 Yards. Es folgten Punts auf beiden Seiten. Baltimore hatte dann wieder den Ball und gab ihn an Mark Ingram, der ihn aber verlor, kurz bevor er auf dem Boden aufkam. Wenige Minuten vorher war ein Fumble der Patriots per Review korrigiert worden, weil der Arm von Rex Burkhead auf dem Boden gewesen sein soll. Beides war hauchdünn, aber wohl korrekt. Für New England langte es jedenfalls nur zu 3 Punkten, die der neue Kicker Nick Folk aus 22 Yards erzielte. Nach einem guten Drive standen die Pats dann Sekunden vor der Halbzeit wenige Yards vor der Endzone der Hausherren, überwanden den letzten Yard aber nicht, sodass Folk 3 weitere Punkte aufs Bord packte. 17:13 führten die Hausherren also zur Pause.

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Kurze Zeit fühlte sich dieses Spiel an, wie so viele Spiele der Pats in den letzten Jahren. Schwacher Start, dann Turnover des Gegners, man kommt vor der Halbzeit ran und geht nach dieser in Front. Diesmal lief es anders. Obwohl auch das zunächst nicht so aussah. Man marschierte bis zur 30 der Ravens, es folgte ein kurzer Pass auf Julian Edelman hinter die LOS. Alles wie immer. Bis auf die Tatsache, dass Edelman den Ball verlor, als er zu Boden ging, die Refs diese auf den ersten Blick unklare Szene laufen ließen und CB Marlon Humphrey das Ei zum TD zurück trug. In der Review sah man klar: der Ball fing bereits an, aus Edelmans Armen zu rutschen, ehe beide auf dem Boden landeten. Sowas lassen die Patriots selten auf sich sitzen und auch diesmal antwortete man stark. Einen guten Drive schloss James White mit einem Lauf über einen Yard zum TD ab. Die Ravens starteten dann aber ebenfalls einen richtig guten Drive. Wieder waren es kurze Läufe und Pässe, die Jackson souverän anbrachte, und 8 Minuten ronnen von der Uhr und den Patriots aus den Händen. Jackson lieferte dann in der Redzone sein wohl bestes Play in diesem Spiel ab, tanzte die halbe Defense aus und machte 11 Yards gut. Dann fand er einen offenen TE Nick Boyle für 5 Yards und den TD. Justin Tucker verschoss dann tatsächlich den PAT. Der Funke, den die Pats brauchten? Nein. Tom Brady warf im fünften Spiel hintereinander eine INT und es war eine der schlimmsten seiner Karriere. Der Ball segelte weit über den Kopf von Mo Sanu und in die Hände von Earl Thomas, der ein fantastisches Spiel damit kröhnte und hier Zeit hatte, hinzufallen und zum Return wieder aufzustehen. Der nächste Drive der Ravens unterschied sich dann nicht vom letzten. Kurze Läufe, kurze Pässe, ein souveräner, wenn auch längst nicht überragender Jackson, der sich aber immer wieder Zeit erkaufte. Die Defense der Pats fand keine Mittel und war wohl auch ziemlich zermürbt von diesem Stil. 9:35 nahmen die Ravens von der Uhr. Am Ende powerte sich Lamar Jackson aus einem Yard in die Endzone. Dass er dabei auch von einem Mitspieler gezogen wurde, was eigentlich verboten ist, kann diesen tollen Drive nicht schmälern. Die Defense der Hausherren hielt dann nochmal und nach einem Punt konnte Jackson abknien.

Fazit

Beeindruckend. Mehr kann man zu diesem Spiel der Ravens nicht sagen. Jackson riskierte nicht viel und musste kaum mal einen wirklich genialen Pass auspacken, aber er brachte fast alle Bälle extrem souverän an und blieb quasi fehlerfrei. Dazu tanzte er immer wieder aus dem Druck der Pats heraus und erlief viele wichtige Yards. Die O-Line der Ravens dominierte die Patriots über große Teile des Spiels nach Belieben und öffnete teils riesige Lücken für die RBs bzw. Jackson, die diese konsequent nutzten. Offensiv blieb der Fumble von Ingram der einzige Fehler der Mannen aus Maryland. So muss man gegen diese Defense spielen: sich nicht selbst austricksen, keine Fehler machen, den Ball laufen, dem QB helfen, negative Plays vermeiden. Klingt so leicht und ist so unfassbar schwer. Riesen Respekt auch an die Ravens Coaches, die ihr Team in der Bye-Week so brilliant eingestellt haben und die Schwachstellen der Pats "D". die sich teilweise auch schon gegen die Browns gezeigt hatten, ausnutzten. Auch defensiv war man hervorragend eingestellt, die ersten 3 Drives der Gäste endeten ohne ersten Versuch. Dazu hielt man zweimal in der Redzone und holte 2 Turnover und, oben drauf, einen TD. Brady war viel unter Druck und vermisste ganz deutlich seinen Mann für die Big-Plays, Josh Gordon. Hat man da einmal in New England den falschen gecutet, weil er nicht so wollte, wie Bill? Die nächsten Spiele werden es zeigen. Dieses Spiel war jedenfalls eines der besten in der Geschichte der Ravens gegen einen Gegner, den manch einer schon für unschlagbar hielt. Irgendwie muss man dankbar sein, dass die Ravens uns die Sterblichkeit dieser Patriots bewiesen. Wobei Brady und Belichick nach Niederlagen erst recht siegen wollen. Brady ist aber auch nicht optimal in Form und seine Offense konnte, als sie erstmals musste, nicht abliefern. Nächste Woche hat man frei und reist dann nach Philadelphia, wo man sicher noch eine Rechnung offen hat. Die Ravens sind zu Gast in Cincinnati beim neuen Bengals QB Ryan Finley.

Player of the Game: QB Lamar Jackson - Baltimore Ravens: 17/23 | 163 Yds | 1 TD | 16 Car | 61 Yds | 2 TD