New England Patriots @ Los Angeles Rams - 13:3

02.02.2019, 01:53 Uhr T.H. Reviews

Das war es also, das Spiel aller Spiele in der 2018 NFL Season. Es war ein unerwartetes und definitiv anderes als in den letzten zwei Jahren. Liebhaber der Offensive wird es sicher nicht in guter Erinnerung bleiben, dafür kamen die Defensivfetischisten aber umso mehr auf ihre Kosten. Denn über 60 Minuten dominierten beide Verteidigungsreihen gegen hochgewettete Offensiven das Spielgeschehen. Am Ende gewann das Team, dass etwas mehr bzw. bessere Lösungen dagegen parat hatte.

Der Coin-Toss ging an die Rams, die QB Tom Brady aber zunächst das Feld überließen. Nach gutem Return und erstem starken Run durch Rookie-RB Sony Michel war die Offense der Patriots bereits über der Mittellinie. Drei weitere Läufe später warf Brady das Ei erstmals, allerdings nicht wirklich präzise zu WR Chris Hogan, der zusammen mit CB Nickell Robey-Coleman an den Ball kam, sodass dieser nach vorne in die Arme von LB Cory Littleton zur Interception abgeprallte. Kein guter Start für den Star-Quarterback, aber es hatte zumindest keine Auswirkungen, denn die Rams gingen in ihrem ersten Drive direkt 3&Out.
So konnte New Englands Offense an die abgesehen von dem Pick guten ersten Eindrücke anknüpfen und sich nun auch dank einiger erfolgreicher Pässe wieder Richtung Endzone spielen. Erst nach einem 3rd&8 31 Yards vor dem Ziel war Schluss nachdem die Rams Defense RB James White nur drei Yards erlaubte. K Stephen Gostkowski musste also aus 46 Yards ran, verzog aber, sodass das Ei links an den Torstangen vorbeiflog. Bereits sein vierter Fehlversuch in den letzten drei Super Bowls.
Auch die Rams kamen angeführt von QB Jared Goff nun zum ersten First Down und damit ihrerseits in die Hälfte des Gegners, großartig weiter ging es aber nicht, sodass der Ballbesitz direkt wieder wechselte. Es fehlte im Anschluss nicht viel und Brady wäre erneut beim Versuch auf Hogan von CB Marcus Peters interceptet worden. Dafür klappte die Connection mit WR Julian Edelman aber deutlich besser. Glück hatte man dann jedoch erneut, als der Quarterback das Spielgerät nach dem ersten Sack verlor, die eigene O-Line den Fumble aber sichern konnte. Für ein First Down reichte das gegen nun immer besser werdenden LA Verteidiger aber nicht mehr und von der 40 war ein Field Goal auch utopisch. P Ryan Allen durfte so erstmals seit 20 Super Bowl Drives punten und so blieb es dabei, dass die Patriots auch im neunten Super Bowl im ersten Viertel keinen Touchdown erzielen sollten.

Abgesehen von der Seite änderte sich für die Rams im zweiten Viertel nichts, denn erneut mussten Goff und Co. nach drei Versuchen wieder runter. Die starke Defense der offiziellen Gäste hatte das Geschehen bisher bestens im Griff. Ein ganz freier Edelman sorgte auf der Gegenseite dann für den erste wirklich großen Raumgewinn, als er seine Farben nach einem 25 Yard Catch bis an die 29 des Gegners brachte. In den nächsten drei Snaps erlaubte Los Angeles' Verteidigung aber nur noch fünf Yards, sodass sich Gostkowski dieses Mal aus 42 Yards versuchen durfte und es nun zwar erneut knapp, aber zumindest besser machte. Er besorgte so die ersten Punkte dieser Partie zum 3:0 für New England.
Ein spektakulärer Sideline Catch von WR Robert Woods für 18 Yards brachte die Rams mal wieder über die Mittellinie, doch ab da war erneut die "D" New Englands zur Stelle und ließ so P Johnny Hekker zum vierten Mal seine Arbeit verrichten. Da aber auch die Pats nun erstmals 3&Out gingen, waren die Rams schnell wieder an der Reihe und profitierten auch noch von einer 10 Yard Strafe beim Return. Die gute Feldpositon brachte aber auch nichts, da LB Kyle van Noy Goff doch noch außerhalb der Pocket beim 3rd Down zu Boden brachte, nachdem dieser bereits einmal den heranrauschenden Verteidigern entkommen war.
Die Two-Minute Warning war nun bereits angebrochen und die Patriots auf dem Weg ihre Führung noch etwas auszubauen. Nach acht Plays stand man sich an der Rams 32 einem 4th&1 gegenüber, das man ausspielte. Der Pass auf TE Rob Gronkowski ging aber in den Verkehr der Rams Verteidiger und wurde von Littleton zuvor auch noch getippt, sodass erneut keine weiteren Punkte für die Mannen aus Foxborough dabei raussprangen. Das ließ sich auch weiterhin über die Rams berichten, worauf es mit dem zweitniedrigsten Score der Super Bowl Ära in die Halbzeit ging. Es gab nicht einen einzigen Snap in der Redzone und besonders Los Angeles brachte mit zwei First Downs, 57 Total Yards und nur drei Carries von einem scheinbar weiter nicht fitten RB Todd Gurley nichts auf die Kette. Bei den Patriots sah das bis hinter die Mittellinie zwar besser aus, danach war aber die Rams Defense zur Stelle oder es wurden Chancen beim Field Goal und Turnover on Downs selbst vergeben.

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Nach einer ebenso wenig spektakulären Halftime Show, bei der Maroon 5 Frontsänger Adam Levine, Travis Scott und Big Boi leider ohne Spongebob auf der Bühne versuchten verschiedene Musik-Stilrichtungen zu bieten, ging es sportlich mit den Rams weiter, die nun langsam aber sicher Offensivlösungen gegen die bisdato überragende Patriots Verteidigung vorbringen sollten. Letztere musste dann direkt den Verlust von S Patrick Chung mit einem gebrochenen Arm verkraften, konnte einen nervösen Goff und seinen Angriff aber erneut früh stoppen.
Auf der Gegenseite war einzig und allein Edelman gefährlich, der 27 Yards per Catch & Run erlief, worauf eine ebenso herausragende Rams "D" aber auch nichts mehr zuließ. Es blieb hier eine Defensivschlacht vom Feinsten. Immerhin konnten die Punter für Highlights sorgen. Allen brachte das Ei an die 3 Yard Linie, worauf Hekker nach erfolglosen Versuchen seines Angriffs aus der eigenen Endzone punten musste und mit 65 Yards einen Super Bowl Rekord aufstellte. Ein Yard weiter als sein Gegenüber vor zwei Jahren.
Mitte des dritten Abschnitts schaffte es die Rams Offense tatsächlich erstmals mehr als fünf Plays aneinander zu reihen. Kurze bis mittellange Pässe auf die WR Woods, Josh Reynolds und Brandin Cooks waren des Rätsels Lösung. Ein weiter Ball in die Endzone auf Cooks wurde dann im letzten Moment von CB Jason McCourty deflected. Goff wurde danach gleich von drei Mann zu Boden gerissen, sodass das Field Goal von K Greg Zuerlein deutllich weiter ausfiel als erhofft. Aber 53 Yards sind nichts wovor sich "Greg the Leg" fürchtet und so flog das Ei durch die Torstangen zum 3:3 Ausgleich.

Da das dritte Quarter nun auch vorbei war, hatten wir den nächsten Rekord: Erster Super Bowl ohne Touchdown nach drei Vierteln. Hier bekam das "Heimteam", das sich nach den Sympathien im Stadion aber wohl eher als Auswärtsteam fühlte, den Ball nah an der eigenen Endzone und wollte direkt nachlegen. RB C.J. Anderson wurde nun auffälliger, doch auch er hatte bei einem Fumble Glück, dass der Ball ins Aus ging. Ein Holding bei 3rd&11 gegen CB Stephon Gilmore und eine 18 Yard Reception von Cooks brachten den Drive weiter voran, doch ein Offensive Holding machte dann den ersten guten Run von Gurley zunichte und drei Snaps später auch die Offensivbemühungen von LA in dieser Spielserie.
Nach einem erfolgreichen 18 Yard Pass auf Gronkowski schallten "Brady"-Rufe durch das weite Rund, was den Spielmacher scheinbar motivierte, indem er zum zehnten Mal Edelman für 13 Yards erfolgreich anwarf und nach sieben Yards auf RB Rex Burkhead einen perfekter Ball für 29 Yards auf einen zum Catch fliegenden Gronk folgen ließ, was die Patriots tatsächlich an die 2 Yard Linie brachte. Das erste Play in der Redzone gebührte Michel, der direkt die Lücke zum ersten Touchdown des SB LIII fand. Das ging jetzt plötzlich extrem schnell und erschien auch gar nicht so schwer.
Mit noch gut sieben Minuten auf der Uhr lag der Druck nun wieder auf den unerfahrenen Schultern von Jared Goff. Und dieser Druck kam nicht nur durch den Spielstand, sondern immer wieder auch von den Pass Rushern der Patriots, mit denen die frischgebackene "O-Line des Jahres" doch arge Probleme hatte. Ihr Quarterback konnte sich hier mit drei Pässen zur richtigen Zeit befreien und hatte von der 27 fast den ersten Touchdown-Schrei auf den Lippen, allerdings konnte Cooks das Spielgerät in der Endzone nicht festhalten. So versuchte Goff das Gleiche nochmal, hatte aber einen Blitz gegen sich und konnte den Ball nur unkontrolliert in Richtung Cooks loswerden, sodass er unterworfen war und Gilmore ihn zur Interception kurz vor der Goalline abfangen konnte.
Michel befreite seine Farben aus der brenzligen Lage mit einem 26 Yard Run und Burkhead fügte darauf die exakt selbe Anzahl an Yards über den Boden hinzu. Neun weitere Yards von Michel reichten, um Gostkowski mit 1:16 Minuten auf der Uhr aus 41 Yards zum Sieg antreten zu lassen und der gab sich keine Blöße.
Die Rams ließen Zuerlein acht Sekunden vor dem Ende zwar nochmal aus 48 Yards antreten, doch dieser hatte die Spannung in der aussichtslosen Situation scheinbar schon verloren und vergab. Des Rest war Feierei!

Am Ende muss man erstmal beiden Defenses ein großes Lob für ein nahezu perfektes Spiel gegen diese gegnerischen Offenses aussprechen. Das größere Lob gebührt hier aber den Jungs von quasi-DC Brian Flores, der ab morgen wohl offiziell zum neuen Head Coach der Miami Dolphins ernannt wird. Die zweitbeste Offense der Saison bei drei Punkten zu halten, da gehört schon was zu.
Bei den Rams kam offensiv sicher einiges zusammen: Keine Lösungen im Play-Calling; ein sichtlich nervöser Goff, der einige freie Receiver verpasste; eine überraschend wackelige O-Line und ein schlichtweg fehlender Punch eines fitten Todd Gurley.
So geht der Sieg verdientermaßen an die Patriots, bei denen sich Tom Brady mit dem sechsten Ring den alleinigen Rekord für die meisten Titel geholt hat. Die Rams Defense hat es ihm und seiner Offense maximal schwer gemacht, aber am Ende hatten sie ein paar mehr Aktionen parat als der Gegner. Julian Edelman, gefährlichster Spieler auf dem Turf, wurde im Anschluss mit dem Super Bowl MVP-Titel ausgezeichnet.

Herzlichste Glückwünsche nach Foxborough zu einem verdienter Sieger, der wieder einmal allen Widrigkeiten getrotzt und seine einzigartige Klasse unter Beweis gestellt hat. Großen Respekt!

MVP: WR Julian Edelman - New England Patriots: 10 Rec | 141 Yds | 1 Car | 8 Yds