San Francisco 49ers @ Baltimore Ravens - 17:20

28.11.2019, 05:12 Uhr P.L. Reviews

Diese Partie war ohne Frage das Spiel mit den höchsten Erwartungen diese Woche. Einige betitelten es sogar als mögliche Vorschau zum diesjährigen Super Bowl, denn beide Teams, die im regnerischen Baltimore aufeinandertrafen, haben sich als klare Topteams der NFL herauskristallisiert. Beide kamen auch aus der vorigen Woche von Blowout-Wins; die Ravens überrannten die Rams in der Stadt der Engel und die Niners konnten Aaron Rodgers und die Packers überzeugend besiegen.

Die 49ers starteten mit dem Ball und auch wenn die sie vor allem für ihre Verteidigung bekannt sind, kann sich ihre Offense ebenfalls sehr gut sehen lassen. Immerhin ist das Team aus Santa Clara die Nummer 2 im Scoring, eben hinter den Ravens. Besonders stark hat sich bisher vor allem das Running Game gezeigt, das durch kreatives Scheming und ein versatiles Running Back Stable aus Tevin Coleman, Matt Breida (aktuell verletzt) und Raheem Mostert schon einige Gegner in die Knie gezwungen hatte. Trotz regnerischer Verhältnisse entschied sich HC Kyle Shanahan jedoch zunächst für das Air Game. Mit großem Erfolg. Quarterback Jimmy Garoppolo fand nicht nur WR Kendrick Bourne für 30 Yards, sondern auch Rookie-WR Deebo Samuel für 33 Yards bei 4th Down mit einem Wahnsinnscatch über zwei Defensive Backs der Ravens zum Touchdown, wobei der sonst so starke CB Marcus Peters nicht gut aussah. Im folgenden Drive zeigte sich dann auch die Dominanz der 9ers Defense. Sie stoppten die unglaubliche Offense der Ravens zum ersten Mal diese Saison auf ihrem ersten Drive und erzwangen einen Punt von Sam Koch. Daraufhin zeigten sich die nassen Konditionen des M&T Bank Stadiums. Bei einem Dropback von Garoppolo stach die Ravens Defense mit einem DB-Blitz zu. Ravens SS Chuck Clark brachte Jimmy G nicht nur zu Fall, sondern riss auch noch den nassen Ball heraus und die Ravens recoverten den Fumble. Endlich kam nun auch die Offense von QB Lamar Jackson ins Rollen. Dieser nutzte das kurze Feld und fand sein liebstes Ziel diese Season, TE Mark Andrews, für einen 20-Yard Catch in der Endzone.
Nach einem 3&Out der Niners machte MVP-Frontrunner Jackson gleich weiter. Dieser marschierte tief ins 49ers-Territorium und trug den Ball schlussendlich selbst in die Endzone zum Touchdown. Shanahan entschied sich anschließend etwas tiefer ins Playbook zu greifen und die Ravens mit dem Running Game zu attackieren. Großartige Blocks von FB Kyle Juszcyk und TE George Kittle öffneten große Löcher für die Niners-Skill Player. Samuel nahm einen Jet Sweep für 20 Yards und Mostert einen Carry zur rechten Seite für einen 40 Yard-Touchdown zum Ausgleich. Die Ravens schienen defensiv keine Antwort auf die Spielzüge der Niners zu haben, musste also die Offense ran. Im folgenden Drive bewies Lamar auch seine zweite Qualität neben dem Rennen, sein Passing. Zwei lange Pässe auf die TE's Nick Boyle und Andrews brachten ihn in Field Goal Range und die Ravens durch K Justin Tucker erneut in Führung. Der 2-Minute-Drill der Niners Offense blieb zum Abschluss erfolglos, denn das über 50 Yard weite Field Goal von K Robbie Gould ging durch einen Block von CB Marlon Humphrey daneben.

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Zum Auftakt der zweiten Hälfte zeigte Lamar Jackson wieder seine "Legs". Mithilfe von den RB's Gus Edwards und Mark Ingram schaffte er es zur 30-Yard Linie der 49ers, wo er allerdings auch Zeuge der Regennässe wurde. S Marcell Harris konnte ihm den Ball beim Tackle mit einem überragenden Play förmlich wegnehmen. Übrigens der erste Fumble von Jackson in dieser Saison. Für einen Dual-Threat-QB in Woche 13 sicher außergewöhnlich. Die Niners übernahmen also wieder und nutzten diesen Turnover aus um drei weitere Punkte durch Gould aufs Board zu bringen, wobei sie hier Glück hatten, dass die Refs bei 4th&1 und einem eigentlich nicht fangbaren Pass von Garoppolo trotzdem auf DPI entschieden. Auch der nächste Drive der Ravens wurde durch eine sehr kontroverse Entscheidung der Zebras gestoppt. Bei 3rd&11 konnte Andrews den Pass nicht fangen, nach Ravens HC John Harbaughs Meinung, sowie unserer und wohl aller anderen auch war das eine klare Pass Interference. Trotz einer Challenge entschieden sich die Referees aber wie gewohnt keine Flagge zu geben, worauf die Ravens punten mussten. Aus diesem holten sie aber alles heraus, denn der Punt konnte perfekt an der 1-Yard Linie festgemacht werden.
Nach einem defensivem Stopp bekam Jackson den Ball im letzten Abschnitt zurück. Dieser schaffte es auch über die Mitte, konnte allerdings ein 4th Down nicht umwandeln. Harbaughs gewohnte Aggresivität zeigte sich hier als fehlerhaft, ein weiteres großartiges Play der 49ers Defense verhinderte ein neues First Down und besorgte den Turnover on Downs. Garoppolo bekam den Ball also in guter Field Position und traf Pro Bowler George Kittle mit einem 13-Yard Pass, um sehr nahe in Richtung Baltimores Endzone zu kommen. Als die 49ers auf ein 4th&1 35 Yards vor dem Ziel stießen, antwortete Kyle Shanahan mit gleicher Aggresivität. Doch auch er sollte es bereuen. Baltimores starker Pass Rush zwang Jimmy G zu einem frühen Wurf, der von DT Chris Wormley abgefälscht werden konnte. Die Ravens hatten beim ausgeglichenen Spielstand nun die Kontrolle und es waren noch über sechs Minuten im vierten Quarter übrig. Wenn es um Zeitspiel geht, waren die Ravens bisher Meister ihres Fachs. Jackson ließ sich nicht von der bisher sehr starken 49ers Defense beeindrucken und konnte die "Chains" mehrmals verschieben - per Pass- und Laufspielzüge. Dabei verwendete er gewohnt vor allem seine beiden Sophomore-Tight Ends Hayden Hurst und den Breakout-Star Andrews. Übrigens zielte er insgesamt nur sechsmal zu einem Wideout, woraus auch nur drei Catches heraussprangen. Bei einem aufkommenden 4th&1 blieben Harbaugh und Jackson kühl, Lamar behielt den Ball bei einem QB Sneak und konnte gelassen ein game-entscheidendes First Down erringen. Mit noch drei Sekunden auf der Uhr verwandelte All-Pro Kicker Justin Tucker den Gamewinner; ein 49-Yard Field Goal, das bei den gegebenen Konditionen alles andere als einfach war. Aber ein Tucker lässt sich davon eben nicht beeindrucken. Endstand 20:17 für das Heimteam, die Baltimore Ravens.

Fazit

Wie erwartet war dieses Spiel extrem knapp. Beide Teams haben ihr Bestes gegeben, beide hätten verdient gewinnen können. Vor allem durch den Regen bedingt war dieses Spiel sehr run-lastig und sicher auch etwas weniger spektakulär, als wir uns das erhofft hatten. Am Ende konnte die #1 Offense der NFL die #1 Defense knapp bezwingen, weil sie eben einen Elite-Kicker in ihren Reihen haben. Ein Rematch der beiden im Super Bowl wäre nicht unwahrscheinlich; die Niners und Ravens stehen mittlerweile beide in den Topseeds der jeweiligen Conferences.

Player of the Game: Lamar Jackson - Baltimore Ravens: 14/23 | 105 Yds | 1 TD | 16 Car | 101 Yds | 1 TD